Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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können. In ihr fanden Kaup und Klippstein den Schädel des Dinotherium giganteum, jenes gewaltigen Rüsseltieres, das im Unterkiefer zwei grosse hakenförmige, nach unten und hinten gerichtete Stosszähne zeigte. Nach der Art seiner in jedem Kiefer befind- lichen, mit ausgezeichneten Querhügeln versehenen Backenzähne muss es zu den Pflanzen- fressern gerechnet werden. Dieses gewaltige Tier, das alle seine Zeitgenossen an Grösse übertraf, bewohnte in Gemeinschaft mit mehreren Rhinozerosarten(R. incisivus, R. Gold- fussi, R. minntus, R. Schleiermacheri), einem Tapir, dem tapirähnlichen Chalicotherium, zwei Schweinsarten(Sus antiquus und S. palaeochoerus Kaup.) die mit dichtem Grase, Schilfarten und Sträuchern bewachsenen, sumpfigen Niederungen und Flussufer, an denen sich noch eine Fischotter und ein Biber angesiedelt hatten. In dem Walde hausten das riesige, alle jetzt lebenden Elefanten an Masse bedeutend überragende Mastodon longirostris, das 4 Stosszähne, zwei schwachgebogene im Oberkiefer und zwei kleinere gerade im Unterkiefer besass, zahlreiche Hirscharten, die meist mit einfach gegabeltem Geweih ausgerüstet waren, sowie das in der Statur dem Rehe ähnlichen, aber dem Moschustier nahe verwandten Dorcatherium. Auf den weiten Grasflächen grasten die Herden des Hippotheriums, jenes kleiner und leichter gebauten Vorfahrs unseres Pferdes. Neben diesen Pflanzenfressern existierten noch zahlreiche Raubtiere, der furchtbare löwenähnliche Macheirodus mit seinen langen säbelförmigen Eckzähnen, und die zwischen Bär und Hund stehenden Raubtiere Amphicyon und Simocyon. In den Bäumen kletterte ein langarmiger, menschenähnlicher Affe, der Dryopithecus Fontani, dessen heutige Verwandten, die Gibbons, in Ostindien leben. Aus dieser Schilderung geht hervor, dass die Säugetiere an der Tierwelt dieser Stufe in ganz hervorragendem Masse beteiligt waren; und ohne Zweifel ist die Pliocänzeit der Abschnitt der Tertiärzeit, in dem das Säugetierleben in Europa zu seiner höchsten Blüte gelangt war.

B. Die Quartärformation.

Da schon während der Tertiärzeit sich das heutige Antlitz unserer Erde in den Hauptzügen herausgebildet hatte, so würde der Uebergang aus jener Zeit in die Gegen- wart ruhig und ohne Lücke erfolgt sein, wenn nicht eines der merkwürdigsten und wichtigsten Ereignisse unserer Erdgeschichte dieser ungestörten Entwicklung ein schroffes Ende bereitet hätte. Dieses Ereignis war jene auffallende Kälteperiode, die man die Diluvial- oder Eiszeit genannt hat, in der sich ungeheure Eismassen vom Nordpol herab nach Süden über Europa ausbreiteten und das Land unter einer bis zu

1000 m mächtigen Eisdecke begruben. Wo das Eis erschien, wurde alles Leben erstickt. Tier- und Pflanzenwelt zogen sich vor ihm zurück und. führten einen erbitterten Kampf ums Dasein, aus dem nur wenige Geschlechter als Sieger hervorgingen. Auch auf die Erdrinde waren die Folgen der Vereisung so aussergewöhnlich tiefgreifend, dass die meisten Länder Europas ihre heutige Öberflächengestaltung hauptsächlich dieser Zeit zu verdanken haben. Die Eiszeit bildete eine wirkliche Katastrophe in der Entwicklung unseres Erdballes. Doch dürfen wir uns dabei nicht vorstellen, als ob dieses Ereignis ganz unvermittelt über Europa hereingebrochen wäre, durchaus nicht. Schon lange vorher war die Eiszeit, wie uns eine Vergleichung der Faunen und Floren der ver- schiedenen Tertiärstufen klar erkennen lässt, in der vorhergehenden Periode vorbereitet. Das Eocän besass noch ein tropisches Klima. In der Oligocänzeit begann die Abnahme der Temperatur, die noch langsam durch das Miocän bis zum Pliocän anhielt und sich