Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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gewächse mit fallendem Laube ersetzt worden sind. Aus einer subtropischen Flora hatte sich demnach eine solche herausgebildet, in der eine allmähliche Annäherung an die der Jetztzeit angebahnt war.

Nach den Resten der eingeschwemmten Landsäugetiere hat nun Lepsius die pliocänen Schichten in zwei Abteilungen getrennt, nämlich in die unterpliocänen Sande mit Mastodon longirostris und Dinotherium giganteum und in die oberpliocänen Sande und Tone mit Mastodon arvensis und Pinus Cortesii. Da die letzteren aber in dem Bereiche des Mainzer Beckens nur im nordöstlichen Teile mit einiger Sicherheit nachge- wiesen werden konnten, so kommen für uns nur die unteren pliocänen Sande und Tone, welche auch den NamenDinotheriensande führen, in Betracht. Ueber weite Flächen Rheinhessens sind sie verbreitet und füllen mit Ausnahme der Umgebung von Mainz, wo die Dinotheriensande auf den Litorinellentonen ruhen, die durch Wasserfluten aus- genagten Höhlungen und Furchen der Corbiculafelsen mit Geröllmassen aus, die eine grosse Aehnlichkeit mit Flussgeschieben besitzen. Es sind hauptsächlich verschieden gefärbte Quarzitgerölle, die von gelblichen, rötlichen und weissen Quarzsanden überlagert sind. Häufig sind diese Sande noch von fetten grauen Tonlagen durchzogen und durch einen grossen Gehalt an Brauneisenstein ausgezeichnet. In diesem Falle tritt dieser Eisenstein entweder als Bindemittel auf, indem er die Sande zu festen Massen und die Gerölle zu Konglomeraten verkittet, oder er häuft sich in Form von.losen Körnchen, Körnern und Knollen von l5cm Durchmesser bis Kopfgrösse in grosser Menge an. Muldenförmige Ausfüllungen oder weit ausgebreitete Ablagerungen werden dann von dem Erze eingenommen und führen den Namen Bohnerzlager, die in früherer Zeit berg- männisch abgebaut wurden. Der Betrieb musste aber wegen der meist geringen Mächtigkeit der Lager als auch wegen der Unreinheit des Erzes wieder eingestellt werden. Die sogenannteErzwäsche* bei Heppenheim am Kloppberge und die alten Gruben auf dem Wisberge bei Gau-Bickellieim legen hiervon beredtes Zeugnis ab. Die Bohnerze selbst bestehen aus bohnen- oder linsenähnlichen konzentrisch- schaligen Körnern von dunkelbraunen oder gelben Brauneisenstein, der durch Ton, Kieselsäure und Phosphorsäure stark verunreinigt ist. Oft sind die Körnchen durch ockergelben, eisenschüssigen Lehm miteinander zu grösseren Knollen verbunden. Ueber die Ent- stehungsweise dieser Erze herrschen noch grosse Meinungsverschiedenheiten. Doch scheint die Annahme, nach der die Bohnerze Absätze aus warmen, gasreichen Mineral- quellen, die kohlensaures Eisenoxydul in grösserer Menge gelöst enthielten, darstellen, die meiste Wahrscheinlichkeit für sich zu haben. Darnach brachen diese Quellen aus dem Boden des Süsswassersees, in den Sturzbäche an diesen Stellen Ton und Schlamm einführten, aus Spalten oder anderen Oeffnungen hervor und lagerten in der Nähe der Ausbruchsstellen auf dem Grunde des Sees das Eisenkarbonat ab, das sich allmählich durch den Verlust von Kohlensäure in Eisenoxydhydrat verwandelte. Durch die drehende und wirbelnde Bewegung des Wassers wurde ähnlich wie beim Erbsenstein des Karlsbader Sprudels die konzentrisch-schalige Struktur hervorgebracht. Was nun diese Erze und auch die übrigen pliocänen Gebilde so äusserst interessant macht, sind die in ihnen begrabenen Tierreste, welche seit ihrer ersten Entdeckung im Jahre 1835 bei Eppelsheim bis heute die ganze Bewunderung wach gehalten haben. Seit dieser Zeit sind noch weitere Fundstellen bei Albig, Bermersheim, Heimersheim, Esselborn und Kettenheim hinzugetreten, doch haben alle diese den Ruhm der von Eppelsheim nicht verdunkeln