Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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Fundstelle allein 1100 Zähne von Kroködilen, 400 Wirbel von Eidschsen: 120 Wirbel von Salamandern und 530 Wirbel von Schlangen zu sammeln. Diese und weitere Entdeckungen i in den. Corbicula- und Cerithienkalken bei Hochheim, Oppenheim, Mombach, Budenheim und anderen Orten gestatten uns nachfolgendes Bild der Tierwelt in der Miocänzeit zu entwerfen. Ausser der schon erwähnten, reichen Molluskenwelt lebten in.dem Süsswassersee und seinen ihm zuströmenden Flüssen neben verschiedenen Salamandern, echten Fröschen und Kröten noch zahlreiche Süsswasserfische, die hauptsächlich den Barschen, Karpfen und der Gattung Lebias angehörten. Schildkrötenwie Trionyx und zwei Emysarten, sowie unzählige Krokodile bewohnten die Flüsse und angrenzenden Sümpfe, und mehrere Arten von Schlängen wanden sich geräuschlos durch den dichten Graswuchs. Während verschiedene Reiherarten sich dem Fischfang hingaben und Wasserhühner auf der Oberfläche des Wassers sich tummelten, tauchte eine Fischotter in das Wasser unter. Dickhäuter, wie Tapire, Rhinozerosse el schweineartige Hypotherien durchstampften in Herden das dichtbewachsene, undurchdringliche Sumpfgelände, und flinke Hirsche ohne Geweihe oder Muntjac-artige Tiere durcheilten die Ebenen und Wälder, um ihrem Verfolger, dem mächtigen Amphicyon, einem halb dem Hünde halb dem Bären gleichenden Sohlen zu entfliehen. Auch Marder und ein Raubbeutler machten die Gegend unsicher, und. eine ganze Reihe Insektenfresser wie der Igel, der Maulwurf, die Spitzmaus und die Fledermaus bekämpften das zahlreiche Insektenheer."Die Steppen bevölkerte der Pfeifhase. Dagegen fehlten das Dinotherium unddas Mastodon, sowie der älteste Vertreter des Pferdes, das Anchitherium, die schon in anderen Gegenden Deutschlands eingewandert waren.

Aus dieser Schilderung geht hervor, dass die Fauna der Mioeänzeit eine sehr artenreiche war, die mit derjenigen des Oligocäns sehr wenige Züge gemein hatte. Am auffallendsten tritt der Unterschied dieser beiden Stufen in der Entwicklung der Säuge- tiere zu Tage. Während die Säugetierfauna des Öligocäns arm und fast nur durch die sumpf- und wasserbewohnenden Flusspferde und Anthrakoterien vertreten war, wahr- scheinlich weil: infolge der ausserordentlichen Zunahme des,Meeres und der dadurch bewirkten Landverringerung die Bedingungen für den Lebensunterhalt sehr erschwert waren, erschien im Miocän eine reiche Tierwelt mit grossen Vertretern wieder, die sich auf Ber unterdessen entstandenen grossen Landflächen mit ihrem kräftigen Pflanzenwuchs wiederum in Menge ernähren konnte. ee:

Gleich würdig und reichhaltig wie die Tierwelt war auchdie Pflanzenwelt. Zahlreiche Fundorte, von denen die bei Münzenberg und Salzhausen in der Wetterau die ergiebigsten sind, legen hiervon Zeugnis ab. In weit grösserer Mannigfaltigkeit als heute bestanden die Bäume und Sträucher unsere Gegend und boten eine Artenfülle, wie sie sonst nur warmen Ländern zu eigen ist. Auf weite Strecken war das Festland mit einer üppigen und reichen Waldvegetation bedeckt, die sich vorwiegend aus vielen Birken, Erlen, Hainbuchen, Ulmen, Pappeln, Ahornen, Faulbäumen, Wallnüssen und, immergrünen Eichen zusammensetzte, während Farne, Cypressen, Taxusbäume, Lebens- bäume und andere Coniferen sich nur in untergeordneter Weise daran beteiligten. Dazwischen wuchsen noch Palmen, tropische Feigenbäume, Akazien, Kampfer- und Lorbeerbäume, Magnolien und Banksien, lauter immergrüne Gawichee die ihr Laub nicht jährlich abwarfen und wohl keinen andauernden und ‚strengen Winter ertragen konnten. An den Bäumen rankten Reben empor,(deren edler Saft damals noch ungenützt