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5. Corbiculakalke,
Die Corbiceulaschichten enthalten ganz vorwiegend Land- und Süsswasserformen, denen nur wenige, dem süssen Wasser angepasste brackige Muscheln beigemengt sind. Die in der vorhergehenden Stufe so häufigen Cerithien werden selten und durch Corbi- enlen und Hydrobien vertreten, die in solch’ ungeheuren Mengen erscheinen, dass die Schalen von Corbicula Faujasi auf’weite Strecken hin ganze Schalenbetten bilden und die kleinen Schneckengehäuse der Litorinella inflata und Litorinella ventrosa grosse Kalkbänke ganz und gar erfüllen. Die Corbiculakalke‘ sind vorwiegend aus Karbonat- gesteinen und weichen Mergeln zusammengesetzt. In den unteren Schichten treten wieder Sinter- und Algenkalke mit Mergeln und Phryganeenkalken, die aus den Gehäusen der Köcherfliegenlarven durch massenhafte Anhäufang und nachträgliche Kalkverkittung entstanden sind, in Wechsellagerung. Die oberen Schichten dagegen werden von massigen weissen Kalksteinen erfüllt, die an manchen Orten wie Oberflörsheim und Gundersheim fast aus reinem kohlensaurem Kalk bestehen und ein für die Sodabereitung sehr geschätztes Material abgeben. Aus diesem Grunde werden diese-Kalke in den Mannheimer Soda- fabriken verarbeitet. Die Corbiculakalke sind mächtiger entwickelt als die Cerithienkalke und verbreiten sich hauptsächlich östlich und südöstlich vom Wisbach über Rheinhessen, wo sie die Decke der Plateaus und die Kuppen der Berge einnehmen, wenn diese nicht von Dinotheriensanden und Löss bedeckt werden. Wir finden sie daher auch in der Umgegend von Alzey auf dem Heimersheimerberg, dem Wartberg, dem Galgenberg und dem. Kloppberg über Dautenheim. In den Steinbrüchen erkennt man sie leicht an ihrer gelblichen bis rostgelben Färbung. Während im grössten Teile des Mainzer Beckens die Corbiculakalke die Reihe der miocänen Schichten beschliessen, ruht über denselben in der Umgegend von Mainz, Wiesbaden und Frankfurt noch eine AuIBer Stufe, die den Namen$Litörimellehkalket führt.
6. Litorinellenkalke.
Wahrscheinlich waren diese Gesteine früher in fast ganz Rheinhessen ebenfalls vorhanden, wurden aber durch Wasserfluten während der Diluvialzeit zerstört und a Bra sodass nur die in der Umgegend von Mainz erhaltenen Reste übrig geblieben sind. Ihre Zusammensetzung gleicht fast vollkommen der der Corbiculakalke. ‚Kalksteine und Kalkmergel wechseln mit Tonmergeln und Tonen, nur treten die letzteren stärker hervor und enthalten häufig schwache Braunkohlenflöze, die, wie wir gesehen haben, den Corbiculakalken vollständig fehlen. Die in den Litorinellenschichten einge- schlossene Fauna weist darauf hin, dass die Aussüssung des Beckens zu jener Zeit vollendet war. Die brackigen Formen Corbicula und Cerithium sind vollständig ver- schwunden und ausschliesslich Süsswasser- und Landmollusken treten in Erscheinung. Neben Planorbis, Limnaeus, Neritina und Paludina erfüllen die Schneckengehäuse von ' Litorinella.acuta zu Milliarden alle Schichten und gaben die Veranlassung zur Be- zeichnung dieser Stufe. Von besonderer Bedeutung aber sind für diese Ablagerungen noch die Menge fossiler Wirbeltierreste, welche bei Weisenau und an einigen anderen Punkten gefunden worden sind. Bei Weisenau lagen die Knochen und Knochenfragmente kunterbunt und in einer solchen Häufigkeit durcheinander, dass man, wie Hermann v. Meyer selbst bemerkt, aus ein paar Händevoll dieser Fossilien Deherbste fast aller Wirbeltierarten herausfinden konnte. Dieser Forscher war daher imstande, an dieser


