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und der Vogelsberg und die hessischen Berge sich im Norden aufgestaut hatten, hörte jede Verbindung des Tertiärmeeres mit, dem Meere der norddeutschen Tiefebene und mit dem Mittelmeere auf. Das Rheinmeer bildete jetzt einen Binnensee, in dem die Aus- süssung ganz allmählich erfolgte. Durch Ströme, die sich in das Seebecken ergossen, wurde der Salzgehalt immer mehr herabgemindert, bis aus dem Brackwasser endlich Süsswasser geworden war. Die Flüsse brachten aber auch Gerölle und Schlammassen mit, die sich in dem Rheingrabenbruch absetzten und den See immer seichter machten, An einzelnen Stellen traten noch Hebungen, Folgen der vorhergeschilderten Ereignisse, hinzu und bewirkten, dass allmählich grössere und kleinere Süsswasserseen in der Rhem- ebene entstanden, die durch Landmassen von einander getrennt waren. Die Wasser des Mainzer Beckens bildeten zur miocänen Zeit einen isolierten Süsswassersee in dem nördlichen Teil der oberrheinischen Tiefebene, dessen nördliche Grenzen wahrscheinlich bei Butzbach und Münzenberg in der Wetterau und dessen südliche Grenzen in der Gegend von Landau in der Pfalz hinzogen. Der See besass eine bedeutend geringere Ausdehnung als früher, und seine Ufer waren noch mehr nach der Mitte des Gebietes zurückgewichen, sodass rings um ihn herum grössere Strecken festen Landes freigelegt wurden, deren reiche Tierwelt durch die Gewässer in den See hineingeschwemmt und von den Sedimenten eingehüllt wurden. Diese in dem Seebecken gebildeten Absätze waren fast ausschliesslich Kalkgesteine und gehörten den 3 Stufen der Oerithien-, Corbieula- und Litorinellenkalke an.
Wenn schon bei den älteren Tertiärstufen eine scharfe Begrenzung oft sehr schwer durchgeführt werden konnte, wird dies Unterfangen bei den miocänen Ablagerungen fast geradezu unmöglich. Diese zeigen eine so gleichmässige und ungestörte Ausbildung und gehen oft so unbemerkt in einander über, dass die Aufstellung der Grenzlinien eine mehr oder weniger willkürliche werden muss.‘Gegen unten, nach den Öyrenenmergel hin sind sie dagegen meist scharf geschieden und durch die sogenannten Cerithien- schichten vertreten, in denen noch marine Tierformen neben solchen des brackigen und süssen Wassers vorhanden sind. Die Hanuptleitfossilien sind Cerithium Rahtii und Cerithium margaritaceum, denen sich sehr häufig Helix rugulosa und Helix Ramondi zugesellen.. Der oft bis 25 m hohe Schichtenkomplex der Cerithienkalke beginnt fast immer mit Sanden und Kiesen, auf die sich dann im bunten Wechsel dicke Bänke von dichten, fast vollständig ungeschichteten Kalksteinen, Sanden, Steinmergeln, Kalkbreccien, deren Kalkstückchen, Schalenreste und Gehäusetrümmer fest verkittet sind, aufbauen. Ihnen folgen poröse und löcherige Sinterkalke, die sich über Algen abgesetzt haben und Landschnecken enthalten. Zwischen diesen lagern noch oolithische, stellenweise kieselige Kalksteine, Schalenbänke von Muscheln und Schnecken, sowie aus losen Kalkkörnchen und Schalenfragmenten gebildete Kalksande. Am besten lassen sich diese verschiedenen Entwicklungsphasen in den Steinbrüchen von Weisenau, Hochheim und Oppenheim studieren. In unserer näheren Umgebung dagegen zeigen die Aufschlüsse am Kloppberg bei Dautenheim, am Gundersheimerberg und am Hospitalhof bei Hessloch. fast nur sehr harte, halbkrystallinische, massige Gesteine, in denen Versteinerungen nur ausnahmsweise und dann nur in Nestern auftreten. Diese Kalke werden daher auch meist zum Häuserbau oder zum Kalkbrennen benutzt. Durch die mannig- faltigsten Uebergänge sind diese Schichten mit den sie überlagernden Corbiculakalken verknüpft.


