u ge 4, Gerithienkalke,
Die in den vorhergehenden Stufen erfolgten Bodenschwankungen wiederholten sich von nun ab häufiger und nahmen einen immer heftigeren Charakter an. Stärkere Senkungen und Einbrüche der Erdrindemassen des Mittelmeergebietes traten ein und beschleunigten die schon früher begonnene Auffaltung der Alpen, welche sich an der Wende der Miocänzeit zum drittenmale zu einer die heutige um das Doppelte über- ragenden Höhe vollzogen hatte. Wie gewaltig diese Bewegungen gewesen waren, geht daraus hervor, dass nach Heim der Zusammenschub der Westalpen 76,2 km beträgt. Dieselben würden sich also 76,2 km mehr in die Breite ausdehnen, wenn die Falten wieder ausgeglättet werden könnten. Diese Falten stauten sich an dem französichen Centralplateau, den Vogesen, dem Schwarzwald und Odenwald und brachten die ge- waltigsten Störungen der verschiedensten Art in diesem und den angrenzenden Ländern hervor. Der Jura wurde ebenfalls emporgefaltet, Zerspaltung des Bodens und Ver- werfungen, Senken und Empordrängen von Erdrindeteilen erfolgten in der Rheinebene und in den Gebirgsländern. Die in bedeutende Tiefe sinkenden Bruchstücke der Erdrinde tauchten in das noch heissflüssige Erdinnere und pressten die glühenden Massen nach oben, die dann in den entstandenen Spalten bis zur Oberfläche empordrangen. Und so wurde Deutschland während der Tertiärformation der Schauplatz der grossartigsten vulkanischen Eruptionen. Der Vogelsberg und die Berge bei Kassel waren in starker Tätigkeit. Sie warfen nicht nur Asche, Bomben und Lapillis aus, die das Material zu den grossen Tuffgebilden hergaben, sondern entsandten auch gewaltige Lavaströme, deren Reste als Basaltdecken heute noch wahrgenommen werden können. Unzählige Jahrtausende hindurch hat diese vulkanische Tätigkeit angedauert, das ganze mittel- deutsche Gebirgsland von Westen nach Osten durchzogen und jene Kuppen und dom- förmigen Berge aus Basalt, Trachyt und phonolitischen Gesteinen emporgetrieben, die uns in dem Vogelsberge, der Rhön, den Meissnerbergen, dem Habichtswald, Westerwald, dem Siebengebirge und der Eifel entgegentreten. In der Vordereifel und in der Umgebung des Laacher- Sees erlosch die vulkanische Tätigkeit erst während der diluvialen, prähistorischen Eiszeit. Aber auch in unserer nächsten Umgebung wie in Nierstein, am Rochusberg bei Bingen, in Rauental, in Erbach und anderwärts erfolgten Ausbrüche zahlreicher Basaltlaven und spieen Tod und Verderben über die Umgegend. Wie mächtig und gewaltig diese Vulkanausbrüche, gegen die die heutigen klein und unbedeutend erscheinen, gewesen sein müssen, wird uns einigermassen verständlich, wenn wir bedenken, dass die grossen terrassenförmig übereinander gelagerten Basaltdecken des Vogelsbergs, trotzdem Erosion und Denudation sie schon ganz bedeutend abgetragen haben, heute noch ein über 40 Quadratmeilen grosses Hochplateau bilden.— Aber auch heisse Quellen und Gasquellen, die die verschiedensten Gasarten wie Kohlensäure, schwefelige Säure, Schwefelwasserstoff und andere an das Tageslicht brachten, entströmten in gleicher Weise dem Boden, wie dies heute noch in den vulkanischen Gegenden geschieht. Und so müssen wir auch die Kohlensäurequellen der Eifel und die durch ihre heilkräftigen Wirkungen bekannten Thermen und Mineralquellen unserer Nachbarschaft, wie die von Wiesbaden, Ems, Nauheim in enge Beziehungen zu diesen Eruptionen glutflüssiger Massen während der Tertiärzeit bringen und sie als die schwachen Nachwirkungen und letzten Aeusserungen der vulkanischen Tätigkeit in jenen Gegenden ansehen.— Als das Alpengebirg und der Jura sich von Süden her gegen die Rheinebene vorgeschoben


