-. 9 02
erhalten hat.-Nach Lepsius lassen sie sich in zwei Unterabteilungen scheiden, von denen die untere zwischen graugrünen, starksandigen Mergeln sehr feinkörnige Quarz- sande einschliesst, die einen. grossen. Gehalt an Ton und kleinen Schüppchen eines silberglänzenden Kaliglimmers aufweisen. Da diese Glimmerstückchen sehr lose bei- einander liegen und leicht übereinander hinzugleiten vermögen, gerät der Sand durch eindringendes Wasser sehr leicht ins Fliessen. Er schleicht, wie man in hiesiger Gegend sagt, und hat von dieser Eigenschaft den Namen„Schleichsand“ erhalten. Die Sande sind meist hellgrau oder gelblichgrau oder selten ockergelb wie die von Waldülversheim. Gewöhnlich lagern in ihnen weiche feinkörnige Sandsteine, die aus den Sanden durch Kalkverkittung hervorgegangen sind und oft sehr gut erhaltene Pflanzenreste bergen können. Dieser Umstand gab auch die Veranlassung, diese Sandsteine„Blättersandsteine“ zu benennen. In Rheinhessen kommen sie hauptsächlich bei Selzen, Nieder-Olm, Hessloch und Elsheim vor. Neben zahlreichen Zimt- und Kampferbaumblättern sind auch solche einer Kastanie; Erle, Feige und andere in ihnen gefunden worden. Die Verwandten der damaligen Pflanzen bewohnen heute die subtropischen Teile von Nordamerika und das südliche Japan. Die reiche Molluskenfauna ist mit wenigen brackigen Ausnahmen eine echte Meeresfauna, die sich eng an die der Meeressande und der Septarientone anschliesst.„Die Elsheimer Meeressande*, wie man diese Unterabteilung des Cyrenen- mergels auch benannt hat, besitzen durchschnittlich eine Mächtigkeit von 50— 60 Meter.
Die obere Unterabteilung des Cyrenenmergels setzt sich aus den sogenannten „echten Oyrenenmergel“ zusammen, in denen das Hauptleitfossil, die Brackwassermuschel Cyrena semistriata Desh., welche der ganzen Stufe die Bezeichnung gegeben hat, und Cerithien in solchen Mengen angetroffen werden, dass sie ganze Bänke wie am Gros bei Alzey bilden. Dunkelgraue, manchmal auch hellergefärbte Letten, sowie blaue fette Tone, die kaum von denen des Septarientones zu unterscheiden sind, treten in einer Mächtigkeit von ungefähr 40 m auf und enthalten die ersten Braunkohlen des Mainzer Beckens, deren dünne Flöze den Abban jedoch nicht lohnen. An verschiedenen Stellen in Rheinhessen wie am Petersberg bei Odernheim, in der Mergelgrube gegenüber der Katharinenmühle am Mehlberg bei Alzey u. s. w. treten in den obersten Lettenlagen noch harte Kalkbänke von dunkelgrauer Farbe oder auch weisse, leicht zerreibliche Kreidemergel auf, in denen nur Süsswasserschnecken und Charafrüchte gefunden werden. Im Mainzer Becken breiten sich die Cyrenenmergel weiter als die älteren Tertiärstufen aus, doch haben sie sich noch weiter nach dem Innern des Beckens als die Septarientone zurückgezogen. Speziell in der Umgebung von Alzey treffen wir sie auf dem Plateau zwischen Heimersheim, Erbes-Büdesheim und Bechenheim, sowie südwestlich und westlich von Alzey im Selztal von Mauchenheim um den Wartberg herum bis hinter Dautenheim an, indem dabei die Schleichsande die unteren und die echten Cyrenenmergel die oberen Gehänge der Berge einnehmen. Diese eigentümliche Anordnung hat aber durch den Umstand, dass die in die Schleichsande eingedrungenen Schneewässer diese Sande wieder lose und flüssig machen und die unteren Schichten des echten Cyrenenmergels so sehr erweichen, dass die oberen Schichten über den unteren langsam, aber unaufhaltsam abgleiten können, häufige Rutschungen der Cyrenenmergel im Gefolge, die im Herbst und Frühjahr in den Weinbergen und den Bahneinschnitten, besonders zwischen Eppels- heim und Alzey, unliebsame und kostspielige Ueberraschungen bereiten.


