Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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1. Alzeyer Meeressande.

Dass dieser untersten Stufe der Tertiärablagerungen im Mainzer Becken die Bezeichnung Meeressande mit vollem Recht beigelegt worden ist, davon überzeugt sich jeder, der diese Sande am Orte ihrer Entstehung aufsucht. Bei der Betrachtung der Sandgruben empfängt er den Eindruck, dass ihm hier ein früherer Meeresstrand und echter Meeresboden entgegentritt. Ueberall zeigen sich die Spuren der Tätigkeit der Meereswogen. Da sind ausgewaschene und abgerundete Felsen mit flachrinnigen Ver- tiefungen und glattgeriebener Oberfläche, an allen Gesteinen sind scharfe Kanten und spitze Ecken verschwunden, dort sind Strudellöcher und Wellenfurchen sichtbar. Und alles wird von den durch die Brandung geschaffenen Strandgeröllen der verschiedensten Form und Grösse und einem feinen Sande überdeckt, in dem nur zu häufig die Spuren von Sandwehen zu beobachten sind. Blossgelegte Felsen zeigen die kleinen tiefen Bohrlöcher der Seebohrmuscheln Pholas, Lithodomus und Teredo, deren Schalen zuweilen noch in diesen Höhlungen stecken. An anderen Felsen sind ganze Kolonien von Austernbänken festgewachsen, auf deren Muschelschalen nicht selien die Schalen eines kleinen festsitzenden Krebses Balanus angeheftet sind. Und welche Fülle von marinen Tierüberresten beherbergen erst die Sande in den Hauptfundstellen an der Wivrtsmühle, der Trift bei Weinheim, bei Steinbockenheim und bei Waldböckelheim. An diesen Orten scheinen die Sande oft vollständig aus diesen Tierresten gebildet zu sein; und .daher ist es nicht zu verwundern, dass bis jetzt von Mollusken allein 300 Arten bekannt geworden sind. Unter ihnen fällt vor allem eine dickschalige Muschel Pectunculus obovatus wegen ihrer ausserordentlichen Häufigkeit auf. Sehr gut erhaltene und ge- schlossene Exemplare liegen zu Hunderten beisammen, einzelne Schalen oder Schalenreste sind unzählig im Sande verteilt oder beteiligen sich an der Zusammensetzung mächtiger Steinblöcke oder Steinplatten. Doch auch andere Arten wie Pectunculus angusticostatus, Pecten pictus, Perna Sandbergeri, Cardita Omaliana, Lucina tenuistria, Cytherea incrassata u. a. m. sind nicht weniger häufig. Von den Schnecken treten hauptsächlich Natica ‚crassatina, Dentalium Kickxii, Fusus elongatus, Trochus margaritula und vor allem Cerithium laevissimum in den Vordergrund, welch letzteres in der Cerithienschicht der Trift zu tausenden Individuen aller Grössen dicht gedrängt beisammen liegt. Mit Aus- nahme weniger eingeschwemmter Landschnecken und brackigen Tiere sind die Mollusken ‚alle echte Kinder des Meeres. Brachiopoden sind selten, dagegen treten um so häufiger von den Bryozoen die Gattungen Cellepora, Eschara, Defrancia und Ceriopora und von den Korallen die Gattung Balanophyllia auf. Auch Seeigel hat es gegeben, wenn auch selten. Von den übrigen Tierresten ruft besonders die Menge der Haifischzähne, die im Volksmunde hiesiger Gegend auchOtterzungen heissen, das grösste Erstaunen wach. Sie verteilen sich auf die Arten: Lamna cuspidata, Lamna contortidens und Lamna .denticulata, Notidanus primigenius und Carcharodon angustidens. Die Zähne des letzt- genannten Fisches erreichen oft bis zu lOcm Grösse und deuten darauf hin, dass die -Carcharodonten ausserordentlich grosse Tiere gewesen sein müssen, gegen die die heutigen Haifische als klein und unbedeutend erscheinen. Auch die Rochen waren durch die ‚Gattungen Pycnodus, Aötobatis und Myliobatis vertreten, deren Zahnplatten, Hautzähnchen und Flossenstacheln häufig erschlossen werden. Noch viel häufiger jedoch sind die ‚grossen Rippen und anderen Knochenreste eines grossen Meersäugetieres, des Halitherium Schinzi. In allen Sandkauten, selbst da, wo andere Versteinerungen höchst selten sind