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nördlichen Vorlande der Alpen kam es zu gewaltigen Brüchen, und weite Gebiete wurden zu Schollen zerstückelt, deren einer Teil in die Tiefe versank, deren anderer entweder seine ursprüngliche Höhe beibehielt oder noch mehr emporgetrieben ward. Diese ge- hobenen Landstrecken wurden der Grundstock des heutigen Mittelgebirges. Auch auf das Gebiet der heutigen Rheinebene und damit auch auf das Mainzer Becken traten diese Erscheinungen über. An dem Südostrande der schwäbischen Alb brach dieses Gebirg gegen Oberschwaben zu in unbekannte Tiefe ab und bildete die Donauspalte, in die sich später das Molassemeer ergoss. Auf der anderen Seite, auf der grossen ehe- maligen Hochebene, die aus dem Odenwald, dem Schwarzwald und den auf der andern Rheinseite liegenden Vogesen, der Hardt und dem Pfälzer Gebirge zusammengesetzt war, entstanden zahlreiche in der Hauptrichtung von Nord nach Süd verlaufenden Spalten und gewaltige Schollen, und die grosse Rheintalspalte brach auf, durch die ein grosser Teil dieser Schollen der Trias- und Juradecke in unermessliche Tiefe hinabge- zogen wurde. Dabei blieben die eben genannten Gebirge als Horste stehen und wurden im Laufe der Zeit durch Erosion und Denudation auf ihre heutige Gestalt gebracht. In diesen gewaltigen Grabenbruch drangen von Norden oder von Süden her die Wasser- fluten des Tertiärmeeres und verwandelten denselben in einen Meeresarm, dessen Wogen den Südrand des Taunus und Hunsrücks, den damals noch damit verbundenen Rochusherg und die schon erwähnten Gebirge bespülten. In diesem Binnenmeere gelangten nun die tertiären Sedimente unseres Gebietes zur Ablagerung. Direkt auf den Gesteinen des Untergrundes setzten sich zunächst Sande und Gerölle ab, über die sich eine mächtige Stufe von Tonen und Mergeln legten, die manchmal von feinen Sanden durchzogen waren. Auf diese folgten Kalksteine, die nach oben hin immer tonreicher wurden. Als Schlussglied und Decke dieser ganzen Schichtenfolge wurden wieder Gerölle und Sande abgesetzt. Sehr häufig bildeten sich zwischen den Tonen und Mergeln dünne Braun- kohlenschichten oder Schmitzen; doch abbaufähige Flöze, wie sie in der Wetterau, im Vogelsberge und in anderen Tertiärgebieten vorhanden sind, kamen im ganzen Bereiche des Mainzer Beckens nicht zur Ausbildung.— Nach dem Vorgehen von Lepsius, der sich hierbei hauptsächlich auf die Arbeiten des verdienstvollen Erforschers des Mainzer Beckens Friedrich Sandberger stützte, werden gegenwärtig in der Entwickelung unseres rheinhessischen Tertiärs folgende 7 Abteilungen von unten nach oben unterschieden:
1. Alzeyer Meeressande- en 2. Septarienton Mitteloligocän. 3. Cyrenenmergel} Oberoligocän. 4. Cerithienkalke|
5. Corbiculakalke ‚. Miocän.
6. Litorinellenkalke|
7. Dinotheriumsande} Pliocän.
In dieser Reihenfolge stellen die 7 Tertiärstufen einen Wechsel von Meeres- Brackwasser- und Süsswasserbildungen dar, der durch seine weite Verbreitung und seine mächtige Entfaltung in so hohem Masse an der Bildung des rheinhessischen Hügellandes und im besonderen an dem Aufbau unserer engeren Heimat beteiligt ist, dass wir
es nicht unterlassen dürfen, die erwähnten Stufen einzeln einer eingehenderen Betrachtung zu unterziehen.


