Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

BB

während der Kreidezeit befand sich der grössere Teil Deutschlands über dem Meeres- spiegel. Auch unsere Gegend und das rheinische Schiefergebirg gehörten diesem Kon- tinente an, dessen Nord- und West-Küste von den Wogen des Kreidemeeres bespült

wurden. IV. Neuzeit.

Mit dem Ende der Kreideformation folgte eine Entwicklungsepoche unseres Pla- neten, in der die Herausbildung der heutigen Kontinente schon langsam ihren Anfang nahm. Die vorhandenen Meere erfuhren eine Vertiefung, die die sich gleichbleibende Wassermenge in sich aufnahm und vom Lande abzog. Verbindungsbrücken der vor- handenen Ländermassen tauchten aus dem Meere hervor und gaben zur Bildung grösserer kontinentaler Landmassen Veranlassung. So hatten auch Frankreich, England und der grösste Teil von Deutschland sich zu einem Kontinent zusammengeschlossen, in den das Meer in Buchten und'kanalartigen Meerbusen weit hineindrang. In diesen Becken brachten die Meereswogen durch Zerstörung der Küstengesteine und die Flüsse des Festlandes reiche Massen Schlamm zum Absatz, aus denen jene Sande, Sandsteine, Konglomerate und Kalke entstanden, die als die känozoischen Ablagerungen bezeichnet werden. Und damit begann die letzte und jüngste Entwicklungsperiode unserer Erde, die känozoische oder die Neuzeit, welche die Tertiärformation und die Quartärformation umfasst. Während die Tertiärformation in 4 Stufen, die man das Eocän, Oligocän, Miocän und Pliocän genannt hat, gegliedert wird, werden in der Quartärformation 2 Stufen, das Diluvium und das Alluvium unterschieden.

A. Tertiärformation.

In der Eocänzeit nahm das grosse Mittelmeer, das während der Kreidezeit sehr zusammengeschrumpft war, wieder seinen früheren Umfang an. Es überschwemmte das südliche Europa, drang weit nach Frankreich hinein und vereinigte sich mit den Fluten des atlantischen Ozeans. Aus dieser Wasserfläche ragte jenes grosse Festland, das Frankreich und den grössten Teil von Deutschland umfasste, empor, und die ersten Anfänge der Alpen, die eine lange, flache Insel bildeten, erhoben sich nur wenig über den Meeres- spiegel. Beide Länder waren noch da, wo gegenwärtig die Nordsee und der Kanal fluten, mit England verbunden und bildeten eine einzige Landmasse, in deren Rand sich ein grosser Meerbusen hinein erstreckte. Zwei grössere Becken, in welchen jetzt die Weltstädte Paris und London erbaut sind, dienten hauptsächlich zur Aufnahme der tertiären Sedimentbildungen. Diese Becken hat man als diejenigen von Paris und von London bezeichnet. Das Mainzer Becken war noch nicht vorhanden, sondern gehörte noch zu jenem obenerwähnten deutschen Kontinent, den man sich flach und ohne be- deutende Bodenerhebungen mit Ausnahme im westlichen Deutschland zu denken hat. Dort erhob sich schon damals das rheinische Schiefermassiv zu bedeutenderer Höhe als jetzt und sandte seine Gewässer nach Süden und Osten hinab, die durch ihre erodierende und denudierende Tätigkeit die um das Gebirge liegenden Trias- und Jura-Schichten zerstörten. In der nun folgenden Zeit, der sogenannten oligocänen Zeit, ereigneten sich auf dem europäischen Kontinent bedeutende Veränderungen und Umwälzungen. Vor allem nahm das Meer wieder an Umfang zu. Das frühere Festland der norddeutschen Ebene wurde bis zum Harz und Thüringerwald vom Ozeane überflutet, und fast ganz England und ein grosser Teil des Pariser Beckens tauchten aus dem Meere empor. Im