Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
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Sericit-Gneise. Der Tonschiefer stellt ein ausgezeichnet schieferiges, hartes Tongestein in den verschiedensten Färbungen dar, von denen meist die graue oder schwarze, durch geringe Mengen beigemischter Kohlenteilchen hervorgebrachte Farbe vorherrscht Neben klastischen Bestandteilen, wie feiner Ton, Glimmer, Quarzitteilchen und anderen Gesteins- fragmenten, sind auch kleine krystallinische Neubildungen, Aggregate kleinster Quarz- körnchen, winziger Schüppchen von Sericit und mikroskopischer Krystalleinschlüsse von Rutil, Turmalin, Eisenglanz und Magneteisenstein vorhanden. Ueber die Art und Ent- stehung dieser Neubildungen, ob sie gleichzeitig mit der Ablagerung der Sedimente im Meere oder erst später nach dem Absatze derselben durch Metamorphose der bereits schon vorhandenen Gesteinspartikelchen gebildet worden sind, gehen die Ansichten der Gelehrten noch weit auseinander. Aus diesem Grunde soll daher auch diese Frage unerörtert bleiben.

Auf die Taunusphyllite folgen als nächsthöhere Stufe die Taunusquarzite, an deren Aufbau sich hauptsächlich Quarzite, Quarzitschiefer, mit denen bisweilen auch Tonschiefer und Phyllite wechsellagern, sowie Quarzbreccien und Konglomerate beteiligen. Die meist weiss oder grau, seltener auch rötlich oder grün gefärbten Quarzite sind ein ausserordentlich hartes, dem Sandstein ähnliches Gestein, bei dem eckige, unregelmässige Quarzkörner, denen noch andere Trümmerbestandteile von Serieit, Phyllit und Feldspat beigemengt sind, durch ein meist kieseliges, seltener toniges Bindemittel verkittet sind. Die Quarzite sind daher sehr dauerhafte Gesteine, die allen atmosphärischen Einwirkungen trotzen und der Verwitterung länger als andere Gesteine zu widerstehen vermögen. Aus diesem Grunde bilden sie das Gerüst dieses Bergzuges und überragen entweder als Kuppen und spitze Kegel oder als kahle Felsen und schroffe Klippen die übrigen der Verwitterung und der Zerstörung leichter unterlegenen Gesteinsablagerungen. Die hohen Bergesgipfel, wie grosser und kleiner Feldberg, Altkönig, Hohe Kanzel, Winterstein bei Nauheim und andere sind aus diesen Taunusquarziten aufgetürmt. Auch die Klippen und Riffe im Binger-Loch, welche der Schiffahrt so gefährlich sind und den Spreng- versuchen so zähen Widerstand entgegensetzen, sind Reste des Quarzitgebirges.

Als dritte und jüngere Stufe des rheinischen Devons folgen nun die Hunsrück- :schiefer, welche sich besonders auf der nördlichen Abdachung des Taunus, des Hunsrücks und der Ardennen ausbreiten und in den langgezogenen Mulden zwischen den Falten .des Gebirges eingeklemmt sind. Der Hauptmasse nach sind sie sehr gleichartig ausge- bildete dunkelblaue bis graue, manchmal auch rotgefärbte Tonschiefer, die oft durch feine Sericit- und andere Glimmer-Einlagerungen den echten Phylliten im Glanze ähnlich werden. Fast überall sind sie von grauen Quarziten und Grauwacken in dünnen Schichten oder bohnenartigen Absonderungen durchzogen und oft auch sehr kalkhaltig geworden. Sie haben eine vorzüglich ausgebildete Schieferung, die nicht mit der natürlichen Schiehtung übereinstimmt, sondern die Schiefermasse in ganz verschiedener Richtung durchsetzt, und die als falsche Schieferung bezeichnet wird. Dieser Erscheinung ver- danken sie wie die meisten anderen devonischen Schiefer die wertvolle Eigenschaft, sich leicht in dünne Platten spalten zu lassen. Daher eignen sie sich auch ganz vorzüglich zur Herstellung von Dachschiefern und anderen technischen Erzeugnissen, die in einer grossen Zahl von Brüchen im nördlichen Taunus und Hunsrück, sowie in Caub und im Wispertal gewonnen werden. Auf eine weitere Besprechung der übrigen Devonstufen müssen wir, da dies den Rahmen dieser Abhandlung überschreiten würde, verzichten.