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Teil der Erde und auch fast das ganze Gebiet des heutigen Europas umfasste. An dem Urgestein dieser Insel begannen die Wasser ihr Zerstörungswerk, indem nicht nur die Wogen der Brandung, sondern auch die von den Höhen des Festlandes herabströmenden Gewässer jene kolossalen Schuttmassen längs der Küsten anhäuften, aus denen jene ersten Sedimente der camhrischen, der Silur- und Devonformation hervorgingen, die uns zum erstenmal Dokumente des organischen Lebens dieses Urmeeres und der in ihm vor- handenen Inseln und Klippen aufbewahrt haben. Aus der Zusammensetzung dieser Sedimente ist deutlich ersichtlich, dass der Urozean noch mit weit mehr Mineralstoffen wie Kieselsäure, Kohlensäure und alkalischen Karbonaten als heutzutage beladen war, ‚die sich nicht bloss mit den abgelagerten Geschieben, Geröllen, Sanden und anderen Sink- stoffen mischten, sondern auch chemisch auf dieselben einwirkten, sodass diese Sedimente zu jenen eigenartigen Konglomeraten, Sandsteinen, Tonschiefern, Kalken und Dolomiten umgewandelt wurden, die wir bei der eingehenderen Besprechung des Devons kennen lernen werden. Diese ältesten, echten Sedimentgesteine sind in unserer fegend in weiter Ausdehnung zur Ausbildung gelangt und haben das mächtige rheinische Schiefergebirge zustande gebracht. Sie gehören mit Ausnahme eines mächtigen Schichtenkomplexes in der Venn und in den Ardennen, der dem Silur zuzurechnen ist, fast ausschliesslich der Devonformation an, wie wir dies auch von unseren nördlichen Randgebirgen, dem Taunus, dem Hunsrück und dem an dem Binger-Eck gelegenen Rochusberg behaupten können. Diese Gebirgszüge sind gänzlich aus den Schichten des Unterdevon aufgebaut, die überhaupt den grössten Teil des oberrheinischen Schiefergebirges ausmachen. Auf seinem ganzen Laufe von Bingen bis Koblenz hat der Rhein sein Bett in das Unterdevon ein- gegraben. Die beiden anderen Abteilungen des Devons, das Mittel- und Oberdevon, trifft man nur in der Lahngegend, im Kellerwald, Sauerland, in der Eifel und in den Ardennen. Gegenwärtig werden in dem Unterdevon des Schiefergebirges acht Stufen unterschieden, von denen aber nur drei, nämlich die Taunusphyllite, die Taunusquarzite und die Hunsrückschiefer unser Interesse erregen, weil sie den Hauptanteil an der Zu- sammensetzung unseres nördlichen Randgebirges nehmen. An der untersten Stufe, den sogenannten Taunusphylliten, beteiligen sich vornehmlich Phyllite, Tonschiefer und Quarzite, die auch ältere Taunusgesteine benannt werden. Sie bedecken am Südrande des Taunus von Homburg v. d. Höhe über Wiesbaden bis nach Hallgarten im Rheingau einen circa 50 km langen und bis 10 km breiten Flächenraum, überschreiten bei Bingen den Rhein und breiten sich ununterbrochen am Südrande des Hunsrücks von Sarnsheim über Gebroth bis zum Hahnenbachtal oberhalb Kirn aus. Sümtlichen Taunusgesteinen ist ein Mineral eigentümlich, das den Namen Sericit trägt und diesen Gesteinen ihren seidenartigen Glanz verleiht. Sericit ist ein wasserheller, dem Muskovit nahe verwandter Glimmer, der meist in unregelmässigen Schuppen und Anhäufungen, höchst selten aber in wohlerhaltenen Krystalltäfelchen zwischen den andern Bestandteilen auftritt. Der Phyllit ist ein dunkelgraues, grünliches oder schwarzblaues Gestein von ganz vorzüglicher Schieferung und mikrokrystallinischer oder feinkörniger Struktur, das auf den Spalöungs- flächen einen seidenartigen Glanz besitzt. In seiner mineralischen Zusammensetzung entspricht er einem Glimmerschiefer, das heisst, er ist hauptsächlich ein Gemenge aus Quarz und Glimmer. Tritt zu den Phylliten noch ein anderer Mineralbestandteil, wie z. B. Sericit, hinzu, sodass er vorherrschend wird, so gehen sie in Serieit-Schiefer über, und nehmen letztere noch Feldspat auf, so verwandeln sich die Sericit-Schiefer in


