Aufsatz 
Die geologischen Verhältnisse von Alzey und seiner Umgebung. Eine historisch-geologische Skizze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8.

Die Tierwelt war durchweg durch Meeresbewohner vertreten, welche den Bryozoen oder Moostieren, den Korallen, den auf langen gegliederten Stielen am Meeresboden festgewachsenen Seelilien, den Zweischalern, den Brachyopoden und den Nautilusarten angehörten, Später gesellten sich noch knochenpanzertragende Fische hinzu. Geschöpfe aus dem süssen Wasser waren nicht bekannt. In der Pflanzenwelt spielten die Meeres- pflanzen aus den Familien der Algen die Hauptrolle, doch traten gegen das Ende der Devonzeit, als eine grössere Landbildung angebahnt wurde und die Existenzbedingungen für ein höheres Pflanzenleben sich herausgebildet hatten, die ersten Landpflanzen, wie Schachtelhalme, Schuppenbäume, Farnkräuter und andere blütenlose Gewächse in wenigen Arten auf, welche in der folgenden Periode, in der Karbonzeit, so grosse Be- deutung erlangen sollten.

Mit Beginn der Steinkohlenzeit änderten sich die Verhältnisse von Grund auf. Wahrscheinlich infolge der Zusammenziehung der Erdkruste, welche durch die nun fortgeschrittene Abkühlung unserer Erde verursacht wurde, hoben sich weite Strecken fester Landmassen aus dem Meere empor und bildeten ein langes mitteleuropäisches Faltengebirge, das von dem französischen Zentralplateau über das rheinische Schiefer- gebirge, den Odenwald, Spessart, Thüringerwald, Frankenwald und das Fichtelgebirge hin bis zu den Karpathen reichte und von E. Süss den Namen variskisches Gebirge erhielt. Zu gleicher Zeit bewirkten seitliche gewaltige Druckkräfte, dass die ursprünglich wagrecht liegenden Schichten dieses Gebirges zu Falten zusammengeschoben und fast senkrecht gestellt wurden. Ein Teil dieses gewaltigen Gebirges, dessen höchste Gipfel sich vielleicht bis zu 7000 m erhoben haben dürften, bildete den Taunus und den Hunsrück, auf denen grosse dichte Waldungen wunderbarer Pflanzenformen, deren Ur- bilder aus der devonischen Periode herübergekommen waren, sich entfalteten. Diese üppige Pflanzenwelt lieferte bei ihrem Absterben das Material der heutigen Steinkohlen- flöze, die sich in den meist seichten Randbuchten der Küste oder in abflusslosen Becken im Innern des Kontinents abgelagert hatten. Während der Karbonzeit waren Ruhe und Stetigkeit in der Ausbildung unserer Erdrinde eingetreten, die aber gegen Finde dieser Periode nachhaltige Störungen erlitten. Am Rande des Insellandes, der wohl der zum Durchbruch günstigste Ort war, erfolgten heftige vulkanische Ergüsse und Erup- tionen, die das Festland gewaltig erschütterten. Mächtige Melaphyr- und Porphyrströme stiegen aus Spalten in die Höhe, drängten sich entweder zwischen die Schichtengesteine oder ergossen sich als ausgedehnte Decken über das von ihnen durchbrochene Gebirge, Durch dieses Ereignis wurde die vorhin erwähnte Auffaltung der devonischen als auch der karbonischen Schichten des rheinischen Schiefergebirges fortgesetzt und bedeutende Niveauschwankungen und Verschiebungen in den angrenzenden Länderbezirken hervor- gerufen. So erlitt ein grosser Teil des Schiefergebirges eine bedeutende Senkung und der ganze Ostrand und Südrand bis zur Mosel tauchte in das Meer unter. Zugleich mit der Auffaltung des Gebirges, die erst in der nächstfolgenden Periode, dem Rotliegenden, ihren Abschluss fand, dauerte die nie rastende, zerstörende Tätigkeit des Wassers fort. Es schwemmte die jüngeren Devonschichten des Taunus und des Hunsrücks weg und brachte die älteren, widerstandsfähigeren Ablagerungen, welche wir heute noch antreffen, wieder an die Oberfläche. Aus diesem Schwemmmaterial und aus den Verwitterungs- massen der in der Nachbarschaft gelegenen Partien des Urgebirges gingen nun die Mischkonglomerate, Sandsteine und Schiefertone von vorwaltend roter Farbe hervor,