Aufsatz 
Darstellung der Psychologie bei Condillac und Bonnet : philosophische Abhandlung / von Paul Mülhaupt
Entstehung
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diese Weise zur Besprechung der allgemeinen Wirkungen der Sprache ¹⁰⁸), zu den durch die Zeichen vermittelten Abstractionen und den allgemeinen Begriffen, zu Substanz, Eigen- schaft und Zufälligkeit und zum Nachdenken. ¹⁰6) Dies letztere besteht darin, dass der Verstand abstracte Begriffe erlangt, indem er sich mit sinnlichen Ideen beschäftigt. Das Physicalische des Nachdenkens besteht in der Anwendung der bewegenden Kraft auf die Fibern, welche jeder Art sinnlicher Vorstellungen, und jeder Art von Zeichen eigenthüm- lich zukommen.

Im Folgenden handelt er von Ideenassociation ¹⁰⁷), vom Vergleichen und Urtheilen und sagt in Bezug auf den ersten Punkt, dass dieselbe hervorgerufen werde durch die Association der Bewegung und diese wieder von der Gemeinschaft, welche die Organe unter sich haben. ¹⁰⁸)

Auf zwei oder mehrere Ideen zugleich seine Aufmerksamkeit richten, sei Vergléi- chen, lund das Verhältniss zwischen zwei oder mehreren Dingen sich vorstellen, heisse Urtheilen. ¹⁰⁹*) Jedes Urtheil schliesst also eine Vergleichung zwischen zwei oder mehreren Ideen in sich. Aus dieser Vergleichung ergibt sich bald, ob eine Sache der andern zu- komme, oder nicht. Hieraus entspringen die bejahenden und verneinenden Urtheile. Das unmittelbare Anschauen der Uebereinstimmungen oder Widersprüche macht den Cha- racter der Evidenz aus. ¹¹⁰)

Nachdem er davon gesprochen, was Condillac über Verwunderung und Ueber- raschung denkt, kommt er auf die Leidenschaften ¹¹¹ zu sprechen. Zwar gibt er keine Theorie derselben, sondern nur die allgemeinen Gründe ihrer Mechanik an. Die Leiden- schaft hat ihren Grund im Willen, sie ist eine Bewegung, ein sehr lebhaftes Verlangen, und dieses ist eine Modifikation der Bewegungskraft der Secle oder sie ist diese Bewe- gungskraft in ihrer ganzen Stärke. 1¹¹²)

Der Untersuchung über die Frage, ob die Seele ihre Ideen erneuert, was im All- gemeinen bejaht wird, folgen Erörterungen über die Thätigkeiten der Seelenkräfte; es wird gezeigt, dass die Seele allezeit als die Urheberin der Handlungen anzuschen ist, weil diese nur zufolge ihres Willens vollbracht werden; dieser Wille ist unwidersprechlich der ihrige. ¹¹⁸³)

Bonnet setzt sein Experiment mit der Statue fort, indem er ihr einen dritten Geruch zuführt, und schliesst hieran den Beweis, dass eine neue Empfindung die vorher- gegangene in Erinnerung bringt. Er untersucht, warum die Fibern, welche durch ein neues Object erschüttert sind, bſos diejenigen, welche bereits von andern erschüttert wor- den sind, bewegen können, sodann lässt er auf die drei Geriche drei neue folgen und die Statue erhält die Fertigkeit, die sechs Gerüche, welche das Organ empfunden hat, in der- selben Ordnung wieder in Erinnerung zu bringen, wonach sie beständig auf einander ge- folgt sind. ¹¹¹) Bonnet richtet nun sein Hauptaugenmerk auf die Mechanik des Ge- dächtnisses. ¹15) Pr untersucht die Entstehung dieser Fertigkeit, forscht auch darnach, durch welche Verbindungen die noch folgende Vorstellung durch die vorhergehende er- weckt wird. Er verfährt hierbei so, dass er Thatsachen aufsucht, sie mit einander ver-

105) Phœnices primi, famæ si creditur, ausi Mansuram rudibus vocem signare figuris. Lucan.

¹106) Kapitel XV. und XVI.. ¹0)§. 269. 1¹03)§. 269. 106)§. 284. 1¹0)§§. 285 und 298. 111) 404 flg. 1¹¹2²) 404 flg. 113)§. 462 flg. ¹1¹4) Ib. XX. und XXI. 1¹¹⁵) Ib. XX.