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Erneuerung einer Idee wird also die Wiederholung der Bewegungen sein, mit welchen diese Idee verknüpft gewesen ist. Bonnet setzt die Bewegungen an die Stelle der Idee und spricht über die Poregungen des Gehirns, als wenn sie selbst Ideen wären. Da er voraussetzt, dass jede Art von Empfindungen ihre Fibern habe, so ist zu bemerken: Wir müssen annehmen, dass unter den Empfindungen Achnlichkeiten stattfiden, und diese zu einer gewissen Wechselseitigkeit der Wirkungen unter den Fibern Anlass geben. Diese Aehnlichkeiten genügen. Erneuerungen zu bewirken. Diese Ansicht führt zur Theorie des Erinnerungsvermögens 9⁸). Solches besteht darin, dass die Scele eine mehr oder weniger lebhafte Empfindung ihrer Veränderung empfängt und behält; erfährt sie solche von Neuem, so merkt sie, dass sie dieselbe schon erfahren hat. Das ist Erinnerung.
Die Persönlichkeit der ⁹⁹) Statue erklärt er so: Empfindungen sind Abänderun- gen der Seele, diese sind die Seele selbst, insofern sie so oder so auf eine Art wirklich ist. Die Seele besitzt für sich selbst eine Empfindung und diese ist von jeder ihrer Ab- änderungen so unzertrennlich, als diese Abänderungen von der Sceele selbst sind. Wenn die Secle demnach den Eindruck eines Gegenstandes erfährt, und sich zu gleicher Zeit eines oder mehrerer anderer erinnert, so identificirt sie sich mit allen, und diese Identifi- cation ist der Grund der Persönlichkeit. ¹⁰)
Die Seele bringt in dem wirklichen Zustande ihres Leibes Veränderungen hervor, besitzt also eine bewegende Kraft; zwar bewegt sie sich nicht nach Art der Körper, weil sie nicht materiell ist, aber ihre hervorgebrachten Bewegungen haben Aehnlichkeit mit denen der Körper, sie verursachen nämlich in den Empfindungsfibern Eindrücke.
Jede einzelne Aeusserung der Seelenkraft bedarf eines Grundes und dieser liegt immer in dem Interesse, welches eine vorhandene Empfindung besitzt. Die Seele zieht von zwei gegebenen Empfindungen die angenehme der minder angenehmen vor, dieses Vorziehen ist kein Empfinden, sondern Handeln. Ein Wesen aber, welches den einen Zustand dem andern vorzieht, und diesem Vorzug gemäss handelt, besitzt und übt den Willen. ¹01)
Das Vermögen, ihren Willen zu üben, ist Freiheit. 102)
Diese ist demnach eigentlich die bewegende Kraft, welche von der Seele, ihrem Willen gemäss, ausgeht. Der Wille bestimmt diese Kraft, sich auf bestimmte Fibern zu richten. Die Freiheit ist also dem Willen, wie der Wille dem Empfindungsvermögen untergeordnet. ¹⁰³)
Nach der Erörterung über einfache, zusammengesetzte und simple Ideen, über Schlaf und Wachen, worüber er mit Condillac gleicher Ansicht ist, kommt er auf die Einbildungskraft zu sprechen und deducirt folgendermassen:
Die Seele besitzt das Vermögen, Vorstellungen, welche den äusseren Gegenstän- den ihren Ursprung verdanken, auch ohne das Dazwischentreten derselben zu erwecken, dieses ist die Linbildungskraft 10¹), sie hängt an Empfindungsfibern.
Wir verknüpfen unsere Ideen mit willkürlichen Zeichen und Bonnet komunt auf
*)§§. 91.— ³³)§§. 90— 93.— ¹0⁰)§. 113 und folg.— ¹⁰¹)§. 146 und folg.
¹0²)§. 149 flg. Condillac sagt von der Freiheit: Sie ist ein Vermögen, zu thun, was man nicht thut, und das zu lassen, was man thut. Bonnet aber sagt: Sie ist gerade das Vermögen, zu thun, was man thut, sie ist das Vermögen der Handlung, und nicht das Vermögen dieser oder jener Handlung, sondern überhaupt das Vermögen, mit Willen zu handeln.§. 147, 149, 155.
¹0n)§. 193 flg.— 10)§. 213 flg.


