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Bonnet leitet, wie schon erwähmt, alle Vorstellungen aus den Sinnen her, und die Statue, welehe noch keinen Gebrauch von ihren Sinnen gemacht, ist also ohne alle Ideen, wie es auch keine angeborenen Ideen gibt. ⁰¹)
. Hieraus folgt, dass der Körper der Beeie zum Vermittler der Ideen dient, die- ses führt nothwendig auf physiologische Betrachtungen unseres Wesens hin, das Resultat derselben ist, dass die Seele nur durch Hülfe der Nerven empfindet und bewegt. ⁰²)
Er beginnt damit, den Geruchssimm der Statue durch eine Rose zu afficiren ⁹⁵⁴), und zieht daraus Consequenzen, welche Veränderungen, so fragt er sich, hat nun das Empfindungswerkzeug erlitten?
Er beantwortet die Frage durch die physiologischen Vorgänge. Die unendllich kleinen Körperchen, welche aus der Rose fliessen, verbreiten eine geruchduftende Atmos-
häre, welche durch die Luft in die Nase gebracht, auf die nervigten Fibern, womit die- selbe bekleidet ist, wirken. Wird der Gegenstand entfernt, so verschwindet doch nicht zugleich die durch denselben hervorgebrachte Erschittterung, diese nimmt stufenweise ab, und von diesem allmähligen Abnehmen hat die Seele ein Bewusstsein. Die Empfindung der merklichsten Grade der Abnahme führt nothwendig eine Vergleichung unter den- selben herbei, welehe einer Empfindung den Ursprung gibt, und welche Bonnet das bessere und schlechtere Empfinden nennt. Hieraus leitet er den Begriff der Aufmerksam- keit ab ⁹⁴⁸), indem er behauptet, dass die Kenntniss eines besseren Befindens von der Be- Ferde nach der Fortsetzung derselben unzertrennlich, und die Wirkung dieser Begierde
ie Aufmerksamkeit sei.
Aufmerksamkeit ist das Bestreben der Seele, empfundene Eindrücke zu erhalten, zu stärken, oder zu verlängern.
Da die Aufmerksamkeit durch Uebung erschöpft und zuletzt ganz verschwindet, so muss auch die Seele in ihren unbewussten Zustand zurücksinken. Unwillkürlich drängt sich nun die Frage auf: Ist der Zustand der Seele derselbe, wie er vor der Empfindung war, oder, was mit dieser Frage identisch ist: Ist der Zustand einer Fiber des Gehirns, welche in Bewegung gesetzt worden, und bei der diese Bewegung verschwunden ist, gerade ebenderselbe, als der Zustand einer ähnlichen Fiber, welche niemals bewegt worden ist? Eine apodictische Beantwortung dieser Frage ist unmöglichr.
Die Statue empfängt einen neuen Geruch ⁹⁸), den einer Nelke. Es fragt sich, ob durch diese neue Empfindung wohl das Andenken an die Empfindung der Rose erneuert werde, und, wenn dieses ist, welcher Vorgang sich abspielt, und was er für eine Wir- kung habe.
Auch diese Fragen sind nur problematisch zu beantworten und können allge- meiner gefasst werden: Wie kann ein Begriff den andern erneuern? Die Erscheinungen des Gedächtnisses beweisen ⁹⁶), dass die Erhaltung der Ideen im Gehirne ⁹⁷) liegt. Die
*¹)§. 18: Ich will mich hier nicht mit der Widerlegung der Meinung von angebornen Ideen aufhalten, sie ist bereits oft und griindlich genug widerlegt worden.— ³²)§§. 21 und 22.
³3)§. 35. Ehe ich von dem Plane des Herrn Abt von Condillac hatte reden hören, übte ich meine Statue gleich vom Anfange im Sehen. Das Gesicht ist der Sinn, von dem wir den meisten Gebrauch machen und der uns die meisten und mannigfaltigsten Ideen verschaffet. Aber gerade aus dieser Ursache glaubt Herr von Condillac, müsse man nicht mit diesem Sinn anfangen. Vergleiche Condillac p. 50: Nous crümes devoir commencer par l'odorat, parce que c'est de tous les sens celui qui paroit contribuer le moins aux connoissances de l'esprit humain.
²1)§. 53.— ²³)§. 70.— ²¹²)§§. 67. 91.—*)§§. 73. 57.


