Aufsatz 
Darstellung der Psychologie bei Condillac und Bonnet : philosophische Abhandlung / von Paul Mülhaupt
Entstehung
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schieht letzteres, so bildet die Statue sich ein, Gegenstände zu berühren, die sie schon berührt hat, mithin sei Einbildung jenes starke Gedächtniss, welches gegenwürtig erschei- nen lässt, was abwesend ist.)

Sind die Ideen im Schlafe anders, als im Wachen, so entstehen Träume; im Traume behalten sie ihre Ordnung nicht bei, sondern die seltsamsten sind sich nahe und vereinigt. Auch dieses, nämlich das Träumen, wiederholt sich wie das Wachen). Leb- hafte Eindrücke der Träume, grosses Erstaunen über sie, kürzere oder längere Zwischen- räume vom Schlaf bis zum Erwachen, leichter oder tiefer Schlaf u. s. w. sind Ursache, warum wir uns der Träume theils erinnern, theils sie vergessen. ¹³)

Die folgenden Betrachtungen handeln über die Verbindung des Gesichts mit dem Geruch, über Gehör. verbunden mit Geruch und Gefühl. und endiich ſiber die Ideen, die aus der Verbindung des Gesichts mit den übrigen Sinnen entstehen. Diesen letztern Punkt hat er einer weitläufigeren Untersuchung würdig erachtet. Er zeigt zunächst, wie das Auge erst mit Hülfe des Tastsinnes allmählig aus der Verschiedenheit der Eindrücke, welche das Licht und die Farbe auf dasselbe macht, die Grösse, Figur, Lage, den gegen- seitigen Abstand und die Bewegung der Körper zu beurtheilen lerne; sodann, dass, wenn der Gesichtssinn mit Tastsinn, Geruch und Gehör verbunden, die Kette der Kenntnisse grösser, die Combinationen verschiedener werden.

Kömmt die Statue mit dem Geruch auf Gerüche, mit dem Tastsinn auf Körper. so geben ihr beide Simme Kenntnisse, sowohl von riechenden, als auch von verschiedenen Körpern, erhält somit mehr abstracte Ideen, als beim Geruch allein, bekommt eine Unter- scheidung, die sie ohne Tastsinn nieht hatte, und Kenntnisse, die, beide Sinne getrennt, nicht da waren. 1⁴)

Gehör, Geruch und Tastsinn in Vereinigung geben ihr die F ähigkeit zu ent- decken, dass sie Organe zum Hören hat, dass Töne von einem Körper kommen; sie hört sie in demselben, bemerkt die Lage und Entfernung eines Gegenstandes für das Gehör und gelangt zu verschiedenen Urtheilen.*)

Ferner sagt er, das Auge lernt Entfernung, Lage, Gestalt, Grösse und Bewe- gung der Körper sehen und erkennen durch Urtheilen und Vergleichen. Die Augen be- reichern das Gedächtniss mit schönen Ideen, ergänzen die Unvollkommenheit der andern Sinne, urtheilen über Gegenstände, die ihnen sonst nicht zugünglich sind und bewegen sich in einem Raume, dem nur die Einbildungskraft etwas zufügen konnte. ¹⁶)

Im Folgenden handelt er davon, wie man Ideen dem Gesichtssinn zuschreibe, die doch dem Tastsinn zukommen, und, nachdem er Mallebranche, Mollineux und Locke citirt hat, kommt er dahin, zu sagen, dass dieses aus Gewohnheit geschehe. 72)

Indem er von der Idee, welche das Gesicht mit dem Tastsinn vereinigt, von der Dauer gibt, sagt er: Princip des Lichtes ist die Sonne, und gibt ihr Lauf der Statue eine Idee von ihrer Dauer; je mehr nämlich die Ereignisse, von denen sie Erinnerung hat, in Bezug auf die Umläufe der Sonne stehen, wird sie besser in Vergangenheit und

n) Ib. p. 245 und 246. Or j'ai appelé imagination cette memoire vive, qui fait paroitre présent cce qui est absent..... ²) Ib. p. 249. ¹3) Ib. p. 251. ¹⁴) Ib. p. 258 267, III. P., chap. I.II. *) Ib. p. 267 273, III. P., chap. II.III. ⁰⁸) Ib. p. 273 309, III. P., chap. III.IV. 27) Ib. p. 309 316, III. P., chap. IV. 2*