Aufsatz 
Darstellung der Psychologie bei Condillac und Bonnet : philosophische Abhandlung / von Paul Mülhaupt
Entstehung
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Die Aufmerksamkeit, welche die Empfindungen verbindet und von einem Gegen- stand über den andern nachdenkt und vergleicht, gibt das Nachdenken. ⁵⁹)

Das Vergleichen zwingt sie zu Abstractionen), welcher Vorgang in der Tren- nung einer Idee von der andern besteht. Abstracte Ideen entstehen vom Gebrauche, den- wir mit unseren Organen machen. Sie kann es zu zahllosen Abstractionen bringen und sich darüber Rechenschaft geben, hierzu gehören hauptsächlich jene der Dauer, die sie- durch die Folge der Ideen, und jene des Raumes, die sie durch die Coexistenz der Ideen kennen lernt, und, glaubend, dass es Räume gäbe, die einen ausser den andern, kommt sie zur Idee der Unermesslichkeit.)

Zufolge des Erinnerns kommt sie zur Idee einer frühern und einer spätern. Dauer ⁶²), und findet sie keinen Halt, weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft, so entsteht in ihr die Idee von der Ewigkeit), in Wahrheit aber habe sie doch keine- Idee davon und nur illusorische Einbildungen.)

Jeder Eindruck, welcher eine Kenntniss verschafft, ist eine Idee 65). Vergangene, und nur in der Erinnerung existirende Empfindungen sind intellectuelle Ideen, oder, die Erinnerung an eine Empfindung ist eine intellectuelle Idee, z. B. die Erinnerung an Festes, an Hitze u. s. w., und sei ein Unterschied zwischen vergangenen und gegenwärtigen Em- pfindungen, letztere seien die Quellen unserer Kenntnisse, erstere aber der Grund hierzu und nur durch diese beurtheilt sie die Dinge richtig; beide differiren wenig. Hierüber kann die Statue nicht nachdenken, würde sie es thun, so wäre der Schluss ihres Räsonne- ments: Ich bin ein Wesen, welches nothwendigerweise Ideen haben muss, aber sie sind mit mir geboren. ⁶⁶)

Die Statue kann in keine Irrthümer verfallen, weil sie sich nicht in leeren Specu- lationen verliert, wie Philosophen, die den Menschen nur betrachten, wenn er schon Ideen hat ⁶7). Die Ideen, sagt er weiter, kommen aus den Sinnen, und Bedürfnisse bedingen ihre Entwickelung, man erwirbt sie durch ihre allmählige Beobachtung. 6s)

Von der fortwährenden Bewegung wird die Statue müde, sie muss ruhen und bleibt unbeweglich. Das Gedächtniss kömmt auch zur Ruhe, die Ideen werden schwach, die Fähigkeiten eingeschläfert, der Schlaf macht sich geltend. Hat sie einige Zeit geruht, so tritt der frühere Zustand wieder ein und sie glaubt zum zweitenmale zu leben, findet- und weiss alles, wie sie es früher gefunden und gewusst, schläft zum zweitenmal ein und dies wiederholt sich so und sie erstaunt nicht einmal mehr darüber, hat aber keine Idee- vom Uebergang vom Schlaf zum Wachen. ⁶³)

Ideen, welche aus dem Gefühl kommen, sind stärker als solche, welche aus den. andern Sinnen stammen, sie können sich mehr oder minder lebhaft wiederholen 70); ge-

³0) Ib. p. 216.) Ib. p. 218. 31) Ib. p. 224. ³*²) Ib. p. 225. ³²) Ib. p. 225. *¹) Ib. p. 225. 65) Ib. p. 226..... car toute impression qui donne une connoissance, est une idée.

6) Ib. p. 229. Mes idées sont bien différentes de mes sensations, puisque les unes sont en moi, et les autres au contraire dans les objets. Or connoitre, c'est avoir des idées. Mes connoissances ne dépendent donc d'aucune sensation. D'ailleurs je ne juge des objets qui font sur moi des impressions différentes, que- par la comparaison que j'en fais aux idées que j'ai déjà. J'ai donc des idées, avant d'avoir des sensations. Mais ces idées, me les suis-je données a moi-mème? Non sans doute: comment cela seroit-il possible? Pour se donner l'idée d'un triangle, ne faudroit-il pas déjà l'avoir? Or si je l'avois, je ne me la donne pas. Je- suis donc un ôtre, qui par moi-même ai naturellement des idées: elles sont nées avec moi.

6)) 1b. p. 280. ¹⁸) Ib. p. 205 232. 6) Ib. p. 239 243. 0) Ib. p. 240 243.