Aufsatz 
Darstellung der Psychologie bei Condillac und Bonnet : philosophische Abhandlung / von Paul Mülhaupt
Entstehung
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Condillac geht nun dazu über, zu zeigen, was jeder der übrigen Sinne sowohl allein, als in Verbindung mit den andern zur Gesammtheit der Vorstellungen und Begier- den, deren wir von Natur fähig sind, beiträgt; hiermit gelangen wir zu den übrigen Theilen.. 3.

Im Allgemeinen sagt er im zweiten Theile, dass man dasjenige genau unterschei- den miisse, was in den Wahrnehmungen der Aussendinge dem Gehöre, dem Gesichtssinne, und was dem Tastsinne zukomme. Dem Gehör vindicirt er Töne, dem Gesichtssinne nur die Empfindungen des Lichts und der Farben, ohne dass hieraus eine Kenntniss der Ge- stalt, Grösse, Bewegung, Lage und Entfernung der Gegenstände resultire. 48)

Diese letzteren Vorstellungen leitet er vielmehr aus den Thätigkeiten des Tastsinnes, welcher seinen Sitz in den beweglichen Gliedern(besonders der Hand) hat, ab. Hierdurch gelangt sie also zur Kenntniss der Solidität des eigenen Leibes und der fremden Körper, sowie der Härte oder Weichheit derselben, zu jener der Ausdehnung oder des Raumes, sowie der Gestalten und räumlichen Verhältnisse und geräth dadurch, dass sie Objecte ausser sich entdeckt, zuerst in Verwunderung und daraus entspringt die Neugierde, mehrere solcher Objecte kennen zu lernen. ³⁹)

Genauer die Sache in's Auge gefasst, sagt er vom Gehör: Was für den Geruchs- sinn die Gerüche, das sind für das Ohr die Töne; bei solchen hat sie, wie beim Geruch, Freude und Schmerz; die Töne aber seien geeigneter zu bewegen, als die Gerüche, und je geordneter und harmonischer die erstren seien, desto grösser sei auch das Vermögen, und, weil sie, gemäss ihrer Natur und jener ihres Organs. durch ein stärkeres Band ver- bunden seien, behalte das Gedächtniss ihre Folge auch leichter.)

Betrachtet die Statue wenn Geruch und Gehör vereinigt sind die Em- pfindungen des Gehörs von denen des Geruchs getrennt, so könne sie solche, wie sie diese zusammengefühlt, unterscheiden, und dem Gedächtnisse verdankt sie es, dass sie die durch die verschiedenen Organe bewirkten Eindrücke unterscheiden könne, somit jetzt wisse, dass sie doppelte Existenz habe, was sie vor der Vereinigung dieser peiden Sinne nicht

ewusst, also mit beiden Sinnen jene Fähigkeiten habe, welche sie mit einem gehabt, mit Fedon aber nur zu mehr abstracten Ideen gelange.)

Tritt zum Geruch und Gehör noch der Geschmack, so werden, weil der letztere zur Zufriedenheit oder Unzufriedenheit gewöhmlich mehr als die zwei andern beitrage, durch die Vereinigung aller drei die Ideen verschiedener, die Zahl der Begierden grösser und neue Gewohnheiten zugezogen. ⁵²)

Ist die Statue mit dem Gesichtssinn begabt, sieht sie Licht und Farbe, so habe sie wiederum mit diesem, was sie mit den andern habe, und erwerbe sie damit die näm- lichen Fähigkeiten; die Farben seien nur Empfindungen und komme die Statue, wie beim Geruch, nur vermittelst des Gedächtnisses zur Kenntniss von Folge, Zahl, Unterscheidung und Ausdehnung.)

des idées abstraites, en avoir de nombre et de durée, connoitre des vérités générales et particulières, ne sont que différentes manières d'être attentif; qu'avoir des passions, aimer, hair, espérer, craindre et vouloir, ne sont que différentes manières de desirer; et qu'enfin être attentif et desirer, ne sont dans l'origine que sen- tir: nous conclurons que la sensation enveloppe toutes les facultés de l'ame.

4) Ib. p. 140,§. 1 etc. Hierin stimmt er mit Berkeley überein.

4) Ib. p. 181, chap. IV. ⁴⁶) Ib. p. 124, chap. VIII,§. 1 13.

³1) Ib. p. 133 136, chap. IX.,§. 1 7. ³2*) Ib. p. 136 140, chap. X,§. 17. ³³) Ib. p. 140 163, chap. X.,§. 1 7.