Aufsatz 
Darstellung der Psychologie bei Condillac und Bonnet : philosophische Abhandlung / von Paul Mülhaupt
Entstehung
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existiren ¹⁶), sie muss sich selbst blos für Gerüche halten, weil hierin die einzelnen Empfindungen, deren sie fähig ist, bestehen. ¹⁷)

Indem ihr Empfindungsvermögen ganz auf den Eindruck hingerichtet ist, der durch die Wahrnehmung des Geruches hervorgebracht wird, äussert sie diejenige Thätig- keit, welche die Aufmerksamkeit zu nennen ist ¹s); zugleich hat sie auch Freude und Schmerz ¹⁸), indem jener Eindruck entweder angenehm oder unangenehm ist. Der Geruch verschwindet, sobald der riechende Körper verschwindet, nicht günzlich, sondern wird durch die Aufinerksamkeit zurückgehalten, und je nach ihrer grössern oder geringern Intensität, bleibt von ihm ein stärkerer oder schwächerer Eindruck zurück. Hieérin zeigt sich das Gedächtniss. 2²⁰)

Es sind jetzt zwei Arten des Empfindens in der Statue vorhanden, die eine bezicht sich auf eine gegenwürtige, die andere auf eine nicht mehr vorhandene Sinneswahrnehmung, deren Wirkung nicht mehr fortdauert.

Durch die Function des Gedächtnisses hat die Statue eine wesentliche Verände- rung erfahren; sie hat jetzt, wenn auch nur auf den Geruch beschränkt, Ideen, die sie vorher nicht hatte. ²¹)

Condillac leitet hieraus zwei Thätigkeiten der Statue ab, nämlich die des Vergleichens und jene des Urtheilens. 2²²)

Indem nämlich die Statue zwei Arten des Seins durchgeht, und fühlt, dass sie nicht mehr ist, was sie gewesen, so werden diese Veränderungen das Empfindungsvermögen der Statue bestimmen, die Arten dieses Seins zu vergleichen. Er sagt wörtlich: Auf zwei Vorstellungen zu gleicher Zeit aufmerksam sein, oder sie vergleichen, ist das Nämliche. ²³)

Mit der Vergleichung findet sich nothwendig das Urtheil ein, und beides öfters wiederholt, gibt Gewohnheiten. ²⁴)

Folgt auf den gewohnten Zustand plötzlich ein ganz verschiedener, so entsteht das Erstaunen ²⁵), dieses bringt eine gewaltige Veränderung in der Statue hervor, sie empfindet den Gegensatz zwischen dem früheren und dem jetzigen Eindrucke viel tiefer un wird zu grösserer Thätigkeit angeregt. ²⁰)

Fessemn mehrere Gerüche in gleicher Weise die Aufmerksamkeit der Statue, so werden sie in deren Gedächtniss in der Ordnung, in welcher sie auf einander gefolgt sind, aufbewahrt und zwar wird der zuletzt empfundene, weil der neueste, der stärkste sein, wäh- rend der Eindruck der vorhergehenden stufenweise abnehmen und zuletzt erlöschen wird.

Einige Gerüche, welche nur schwach die Aufmerksamkeit der Statue afficiren, lassen keinen Eindruck zurick und werden ebenso schnell vergessen, als sie der Wahr- nehmung erschienen. Diejenigen endlich, welche die Statue am meisten frappirt haben,

¹) Modifications ou manières d'être. 1 ¹)) Ib. p. 57,§. 2. 18) Ib. p. 58, chap. II.,§. 1. ¹³) Ib. p. 58, chap. II.,§. 2. ²0) Ib. p. 61, chap. II.,§. 6.

²21¹) Condillac unterscheidet Empfindungen und Ideen so, dass jene die unmittelbare Perception, diese das Bild derselben im Gedächtnisse bezeichnet. Er nimmt also Idee wörtlich= Bild.

*²) Ib. chap. II.,§. 15: Dès qu'il y a comparaison, il y a jugement. 23) Ib. p. 65, chap. II.,§. 14. ²¹) Ib. p. 66,§. 16. ²³⁵) Ib. p. 67,§. 17. ²¹) Ib. p. 67,§. 18.