Aufsatz 
Eduard Gottlieb Ernst Sander. Ein Lebensbild
Entstehung
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Eduard Gottlieb Ernſt Sander. Ein Lebensbild.

Hen Amtagenoſſen, Schülern und Freunden des Verſtorbenen gewidmet von J. B. Muühr.

Es ſchwinden unſ're Jahre Heil Dir, wenn in dem Kreiſe, Gleich einem flücht'gen Traum, Den Gott Dir zugedacht,

Die Wiege von der Bahre Du nur in richt'ger Weiſe. Trennt nur ein kurzer Zwiſchenraum. Dein Tagewerk haſt ſtets vollbracht!

Wenn Du auf Deinen Wegen Das Rechte ſtets erſtrebt:

Dir wird der Nachwelt Segen,

Du haſt vergebens nicht gelebt! Eduard Gottlieb Ernſt Sander, geboren zu Neiße in Schleſien am 15. Dezember 1809, war der Sohn unbemittelter Eltern. Nach dem ſchon am 22. Mai 1812 erfolgten Tode ſeines Vaters, des Sergeanten Nikolaus Sander, zog ſeine Mutter, Roſine geb. Teichler, mit dem noch nicht dreijährigen Knaben nach Mainz über. Trotz der ſehr beſcheidenen Verhältniſſe, in denen ſie dort lebte, ſorgte ſie, als ihr Sohn ſchulpflichtig geworden, nach Kräften für ſeine geiſtige Ausbildung und ſchickte ihn, da er ſich dem Studium der Theologie widmen ſollte, in das mit dem biſchöflichen Seminare verbundene Knabenſeminar. Dieſes ſtand damals unter der Lei⸗ tung der Profeſſoren Dr. Klee, Liebermann, Büttner, Dr. Lüft, nach⸗ maligen Oberſtudienrathes und Schmitz, ſpäteren Pfarrers zu St. Peter in Mainz. Letzterer gab ſich, nachdem er die vorzügliche Begabung des jungen Sander erkannt hatte, beſondere Mühe, denſelben im Lateiniſchen und Griechiſchen auszubilden, was der Verſtorbene zeitlebens dankbar anerkannte. Seine Zeugniſſe aus den damals ſo benann⸗ ten Claſſen der Humanität, der Rhetorik, der Philoſophie, der griechiſchen, römiſchen und deutſchen Geſchichte erkennen ſämmtlich ſeine hervorragenden Fähigkeiten, ſeinen großen Fleiß und ſeine guten Sittenan; dasſenige aus dem Schuljahre 18²%½6 euthält die beſondere Bemerkung, daß er immer unter die Ausgezeichneten ſeiner Mifſchüler gehörte. Mehrere Preiſe, beſtehend in Büchern, waren der Lohn ſeines wiſſenſchaftlichen Strebens. Mittlerweile hatte Sander ſeinen Vorſatz, Theologie zu ſtudiren, aufgegeben und ſich für das Studium der Philologie entſchieden. Im Jahre 1827 bezog er als 18jähriger Jüngling die Univerſität Gießen, wo er laut Matritel vom 17. Dezember 1827 unter die Zahl der akademiſchen Bürger aufgenommen wurde. Er widmete ſich hier 3 Jahre lang vorzugsweiſe dem Studinm der altelaſſiſchen Philologie und war Mitglied des dortigen philologiſchen Seminars, in welchem er laut Zeugniß des Pro⸗ feſſors H. C. M. Rettig wegen ſeiner vorzüglichen Leiſtungen zweimal durch goldene Preismedaillen, die ſeine Hinterbliebenen noch beſitzen, ausgezeichnet wurde; die