Aufsatz 
Eduard Gottlieb Ernst Sander. Ein Lebensbild
Entstehung
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an die Auweſenden richtete:Indem ich das mir von dem Herrn Geheimen⸗Rath ge⸗ ſtattete Wort ergreife, will ich es nicht in die Länge ziehen, ſondern nur in der Kürze meinen Gefühlen in dieſem für mich wichtigen Augenblick Ausdruck geben. Zunächſt wende ich mich an Sie, meine verehrten neuen Herren Collegen, um Ihnen zu ſagen, daß es mich freut und ich mich geehrt fühle, in ein Collegium einzutreten, das wegen tüchtiger Leiſtungen, wie ich erſt noch vor Kurzem erfahren habe, bei der Oberbehörde ſo gut angeſchrieben iſt. Ich werde mir alle Mühe geben, Ihrer Aller Achtung und collegialiſche Freundſchaft zu erwerben, um von Ihnen unterſtützt zu verſuchen, ob ich meinen Amtsvorgänger, Herrn Director Sander ſel., an dieſer Lehranſialt erſetzen kann. Mit Ihrer eifrigen Mitwirkung kann es ſich hoffentlich nicht fehlen, daß wir der Aufgabe und den hohen Zielen der höheren Bildungsanſtalt dieſer ſchönen Stadt auch für die Zukunft gerecht werden. Was Aufgaben und Ziele unſerer Lehranſtalt ſind, brauche ich hier in dieſem Augenblick, wo ich nicht zu lange ſprechen will, nur anzudeuten. Wir wollen die uns anvertraute Ingend für wahre und ächte Religioſität, für Wiſſenſchaft und Crkenntniß der Wahrheit, für Sitte und Rechtlichkeit, für alles Hohe und Gute zu gewinnen trachten, wir wollen brauchbare und tüchtige Glieder der menſchlichen Geſellſchaft, wackere Bürger und hingebende Söhne des Vaterlands, dem Kaiſer und Reich ergebene und dem Fürſten treue Unterthanen bilden. Und wenn Ihr, geliebte hier verſammelte Schüler, unſeren Anſtrengungen mit freudigem Gehorſam, mit offenen Sinnen und williger Arbeit entgegenkommt, ſo werden wir, ſo Gott uns dazu ſeinen Beiſtand verleiht, zu Eurem geiſtigen und leiblichen Wohl den Grund legen und für Euer ganzes künftiges Leben und Streben Euch die rechte Richtung geben. Mehr können wir nicht und ſollen wir nicht. Was perſönlich mich als künftigen Director angeht, ſo fordert meine Dienſtpflicht allerdings Strenge und unerbittliches Einſchreiten gegen alles Schlechte, gegen Faulheit, Unordnung, widerſpenſtiges oder boshaftes und rohes Weſen und alles Ungehörige. Und irren ſich die ſchlechten Schüler nicht, ich werde es nie an der gehörigen Energie zur Unterdrückung alles Schlechten fehlen laſſen! Dagegen werde ich dem guten Willen, der redlichen Anſtrengung unſerer Schüler, auch der ſchwächeren und weniger begabten, mit Geduld und väterlicher Nachſicht entgegen⸗ kommen und hoffe ich, wie auch an anderen Orten, wo ich bisher war, in Worms, in Friedberg, in Biedenkopf und in Darmſtadt, auch hier wieder die Anhänglichkeit der Schüler zu gewinnen. Dazu gebe Gott ſeinen Segen!

Hierauf richtete der Großh. Bürgermeiſter, Herr Pennrich, eine ſehr warme, patriotiſche Anſprache an das Lehrercollegium und insbeſondere an den neuen Director, indem er beſonders die gegenwärtig ſo wichtige Seite der Schule als Bildungsſtätte ei⸗ ner national und patriotiſch geſinnten, charakterfeſten, dem Baterland mit Aufopferung ergebenen Jugend betonte, worauf der Director ſich gedrungen fühlte, nochmals das Wort zu ergreifen, um mit Freuden auf dieſe Hauptaufgabe ſeines Berufs näher einzugehen.

Nachmittags wurde in einer beſonderen Lehrerconferenz der vorläufige Schulplan für die abgetrennte Unterprima vereinbart und danach Mittwoch den 4. Februar die ge⸗ nannte Schulklaſſe in den neuen zu dieſem Behuf eingerichteten Schulſaal eingewieſen, ſowie deren theilweiſe geſonderter Unterricht eröffnet. 8

Durch Beſchluß der Lehrerconferenz vom 13. Februar wurden für den diesmaligen Jahresſchluß auf Oſtern 1874 die jährlichen öffentlichen Prüfungen der Schulklaſſen aus⸗ geſetzt, da durch eine ganze Reihe von Wechſeln und Störungen in Folge von Erkrankungen und Sterbfällen, von Vikariaten und Neubeſetzungen ein ſteter Unterricht vielfach nicht mög⸗ lich war, derſelbe vielmehr in vielen Fächern und Klaſſen wiederholt in andere Hände kam.