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Fauna der näheren Umgegend von Bingen, sae, aisis zizt z14 zar won Kamger Nrhr) Cen eian3 enee
endzan CGortjebung) weing in dan aff madat„s Brad B. Wirbelloſe Thieerr. 9 21 190s3 Ueber den Unterricht in dieſem Zweige der Naturgeſchichte, als Einleitung.
Wenn ich der im Programme von 1866 begonnenen Wirbelthier⸗Fauna der näheren Umgegend von Bingen einige Worte über den naturgeſchichtlichen Unterricht überhaupt als Einleitung voraus⸗ ſchickte, ſo möchte ich in Nachfolgendem noch insbeſondere meine Anſicht kurz darüber ausſprechen, auf welche Art der Unterricht in der Naturgeſchichte der Wirbelloſen, dieſem großen, ſehr wichtigen, aber in einer Realſchule niemals vollſtändig zu erſchöpfenden Theile der Naturwiſſenſchaft, am zweckmäßigſten und zum mög⸗ lichſt großen Vortheile für die Schüler in formeller und materieller Beziehung zu ertheilen ſein dürfte. Ich fürchte um ſo weniger, deßhalb der Befuͤrwortung des Unterrichtes„ad hoc“ beſchuldigt zu werden, als die Kennt⸗ niſſe unſerer Schüler in der Zoologie ſich nicht blos auf trockne Namensverzeichniſſe in richtiger, ſyſtematiſcher Aufein⸗ anderfolge beſchränken, ſondern, wie es von den hervorragendſten Naturforſchern der Neuzeit immer mehr er⸗ kannt und angeſtrebt wird, ſich auch auf die Lebensweiſe, die Sitten und Gewohnheiten namentlich derjenigen Individuen erſtrecken ſollen, die entweder für den Menſchen insbeſondere, oder für den allgemeinen Haushalt der Natur von größerer Bedeutung ſind. Geiſtanregend und damit zugleich geiſtbildend zu ſein, iſt ja die erſte und nothwendigſte Eigenſchaft eines jeden Unterrichtes. Nun enthalten aber die meiſen naorgeſchich lichen Lehrbücher für Realſchulen oder ähnliche Anſtalten, zumal auf dem Gebiete der wirbelloſen Thiere kaum mehr, als trockne Namensverzeichniſſe, die wenig geeignet ſind, die Wißbegierde der Schüler anzuregen, wenn nicht der Lehrer durch die nöthigen Anſchauungen und die ſich daran knüpfenden Beobachtungen und That⸗ ſachen dieſe Wißbegierde zu reizen verſteht. Welcher geiſtige Gewinn ſollte bei einer ſolchen trocknen Aufzäh⸗ lung von Namen, an die ſich bei dem häufigen Mangel jeder Anſchauung kaum irgend ein Begriff knüpft, herauskommen, da ausreichende und zweckmäßig eingerichtete d. h. dem Bedürfniſſe der Schüler entſprechende Naturalienſammlungen und gute Abbildungen für dieſen Zweig der Naturgeſchichte noch an den meiſten An⸗ ſtalten nicht in ausreichendem Maße vorhanden ſind? Wie ich in der obenerwähnten Einleitung(welche durch die von Herrn H. Olff, Lehrer der Naturkunde am Gymnaſium zu Worms, dem diesjährigen Programme beigegebene Abhandlung eine mir ſehr erfreuliche Beſtätigung gefunden hat) anführte, iſt die naturliche Folge eines ſolchen Unterrichtes, daß die Schüler ſehr bald alle Luſt daran verlieren, und daß ſie ein Jahr nach ihrer Schulzeit die mühſam eingetrichterten Namen um ſo eher vergeſſen haben, als ſich an dieſelben Wenig oder Nichts anknüpft, was durch Ideenaſſociation wieder wachgerufen werden könnte.
Ganz anders geſtaltet ſich die Sache, wenn wir die Schüler in das Leben der Thiere einführen, wenn wir Biologieen geben. Da ſich aber, wie geſagt, das große Gebiet der wirbelloſen Thiere auf dieſe Weiſe nicht erſchöpfen läßt, was auch in einer Realſchule durchaus nicht geboten erſcheint, ſo müſſen wir nach den oben angegebenen Geſichtspunkten das Wichtigſte und Unentbehrlichſte herausheben und dieſes ausführlich behandeln; das Andere, minder Wichtige kann dann am Schluſſe bei der zu gebenden allgemeinen Ueberſicht kurz eingefügt und angeſchloſſen werden. Unter allen wirbelloſen Thieren ſind aber die Inſekten diejenigen, welche zu dem Menſchen und ſeinen Thätigkeiten auf gewiſſen Gebieten in ſo nahe und wichtige Beziehungen treten, daß es vorzugsweiſe geboten erſcheint, dieſe Thierklaſſe in ihrem Leben und Treiben einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Reichhaltiger und intereſſanter Stoff, der geiſtbildend und nutzbringend zugleich verarbeitet werden kann, bietet ſich hier dem Lehrer dar. Man iſt auch dieſes Stoffes wegen nirgends in Verlegenheit. Führen wir z. B. unſere Schüler hin an einen Bienenſtand, und zeigen wir ihnen das Leben und Treiben der kleinen, emſigen Bewohner desſelben, was ja bei der jetzigen Einrichtung der Bienen⸗ ſtöcke ſo bequem geſchehen kann! Vielleicht bietet ſich auch Gelegenheit, ihnen eine Seidenraupe oder wenig⸗ ſtens einen Cocon zu zeigen. Nach ſolchen Anſchauungen wird es jedem Schüler von Intereſſe ſein, das Nähere über die Lebensweiſe der Bienen oder der Seidenraupe zu hören, und der betreffende Unterricht wird bereitwillige Aufnahme finden und den gewünſchten Erfolg haben.— Zeigen wir den Schülern diejenigen
Stellen der Bergabhänge, die ſonſt mit dem reizenden, ſaftigen Grün des Frühlings geſchmückt waren, die Augen weideten und das Herz ergötzten, und laſſen wir ſie ſchauen die Verheerungen des Schwammſpinners (Liparis dispar), in Folge deren die entblößten Zweige nun gleich Beſenreiſern daßtehen! Betrachten wir mit
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