Aufsatz 
Fauna der näheren Umgegend von Bingen : B: Wirbellose Tiere
Entstehung
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größtentheils nur wenig leiſten, und aus der in neuerer Zeit ſich täglich mehrenden Literatur über dieſen Gegenſtand. Wenn Dr. Glaſer in ſeinem verdienſtlichen Werke:Landwirthſchaftliches Ungeziefer in einer Anmerkung zur Vorrede ſagt:Es würde etwas ſehr Verdienſtvolles ſein, wenn ſich der Inſektenhandel auch ganz beſonders der landwirthſchaftlichen Branche bemächtigte, und Händler würden mit ſpeciellen landwirth⸗

ſchaftlichen Zuſammenſtellungen ſicher gute Geſchäfte machen, ſo hat er vollkommen recht; allein, da nicht

überall die nöthigen Mittel zu Gebote ſtehen, um ſolche Sammlungen anzuſchaffen, welche die Händler gewiß

nur zu ſehr hohen Preiſen ablaſſen würden, ſo glauben wir, daß hier nur dann auf raſchere Weiſe geholfen werden kann, wenn der Lehrer ſelbſt Hand anlegt und ſolche Sammlungen herrichtet, wie er ſie braucht.

Es gehören dazu freilich große Liebe zur Sache, Opferwilligkeit und angeſtrengte Thätigkeit, die in dem

Maße nicht jedem Lehrer der Naturkunde eigen ſind. Indeſſen läßt ſich bei einiger Uebung im Sammeln die Sache ſehr vereinfachen. Wer einmal zu finden weiß, der geht nie ohne Schächtelchen, Büchschen oder

Fläſchchen in den Taſchen ſpazieren und kehrt nie heim, ohne Etwas gefunden zu haben. Der rechte Sammler

ſchafft ſich auch immer Leute an die Hand, die ſich für derartige Dinge intereſſiren, wie Förſter, Gärtner,

intelligente Landwirthe u, dgl., die ihm Vieles liefern können, was ſie bei ihren Berufsarbeiten zufällig ſinden.

Da iſt es denn eine Hauptſache, daß man auch nicht das Geringſte, was ſolche Leute ſchicken oder bringen,

von der Hand weiſe, ſondern Alles dankbar annehme. Das eifert an, und in Kurzem wird man ſeine Be⸗

mühungen mit Erfolg gekrönt ſehen. Wenn nur einmal angefangen iſt, ſo wird die Sache bald ſolchen Reiz

gewinnen, daß ſich der nöthige Eifer von ſelbſt einſtellt. Sagt doch Dr. Alex. Held in der Vorrede zu ſeiner

demonſtrativen Naturgeſchichte pag. XI., der Kabinetsdienſt ſei ein ſo verführeriſcher, daß man in demſelben

mit keinem Fürſten tauſchen möchte.

Natürlich müßte man Lehrern, die ſich der verdienſtlichen und zeitraubenden Arbeit der Herrichtung ſolcher Sammlungen zum Beſten der Schule unterziehen wollen, dieſes nicht dadurch von vornherein unmög⸗ lich machen, daß man ihnen eine Anzahl von Schulſtunden aufbürdet, die ſo groß iſt, daß ſie ſammt den damit verknüpften Arbeiten zu Hauſe die ganze, dem Lehrer zu Gebote ſtehende Zeit in Anſpruch nimmt und ihm zu dem angeführten Zwecke kaum eine Stunde übrig läßt. Ein Lehrer der Naturwiſſenſchaften, zumal wenn er zugleich Präparator und Conſervator iſt, hat außer ſeinen Schulſtunden noch Arbeit genug, wenn er die ſeiner Obhut anvertrauten Apparate und Sammlungen ſtets in brauchbarem Zuſtande erhalten und letztere angemeſſen vermehren will, ganz abgeſehen von der Zeit, die er auf das Studium der neuern Werke in ſeinem Fache verwenden muß, wenn er nicht hinter den Anforderungen der Zeit zurückbleiben will. Möchte man dieſe Thatſache doch an maßgebender Stelle in's Auge faſſen!

Möchte endlich bei allen Lehrern der Naturgeſchichte und bei jedem Gebildeten die Ueberzeugung immer mehr zum Durchbruche kommen, daß dieſer Unterricht von der größten Wichtigkeit iſt und zu einem der herrlichſten Bildungsmittel werden kann, wenn er in der richtigen Weiſe ertheilt wird! Er wird dann auch ſicher die Früchte tragen, welche die hervorragendſten Naturforſcher von ihm erwarten, die er aber bis jetzt noch keineswegs geiragen hat, wie es Brehm in ſeinemilluſtrirten Thierleben, Band V, pag. 167, mit ſo bittern Worten beklagt.

Wenn ich nun auch dieſes Jahr noch zögere, die bereits anſehnlichen Verzeichniſſe aus meinen über die wirbelloſen Thiere hieſiger Gegend geführten Tagebüchern zu veröffentlichen, ſo hat dies ſeinen Grund darin, daß mir dieſelben noch täglich mehr anwachſen, indem ſich bei genauerer Durchforſchung der Gegend noch eine Menge Thiere vorfinden, deren Vorkommen ich nicht vermuthete.*) Ich kam deßhalb nach reif⸗ licher Ueberlegung, obgleich ich die Käferfauna ſchon zum Drucke vorbereitet hatte, zu dem Entſchluſſe, mit der Veröffentlichung noch einige Zeit zu warten, damit ich nicht zu fortwährenden Nachträgen gezwungen werde, welche das Ganze nur unnöthigerweiſe zerſplittern..

*) Wurde doch mein verſtorbener Freund Karl Wagner ſeiner Zeit in Wiesbaden von Autoritäten für einen Lüg⸗ ner erklärt, als er in hieſiger Gegend gefundene Lepidopteren vorzeigte, die bisher nur in Ungarn und andern ſüdlicheren Gegen⸗ den gefunden worden waren..

Nachtrag zur Fauna der Wirbelthiere. Im Programme von 1866 iſt auf Seite 22 hinterFringilla cannabina nachzutragen: Fringilla serinus L. der Girlitz, von deſſen Vorkommen in hieſiger Gegend ich im Herbſte 1867 zufällig bei dem Beſuche eines Freundes in Nieder⸗Ingelheim Kenntniß erhielt. Derſelbe ſagte mir nämlich, daß ein Bekannter von ihm in ſeinem Hausgarten ein Neſt mit einigen jungen Vögeln ausgehoben habe, die ſchön ſängen, die aber Niemand kenne. Ich gieng mit ihm hin und erkannte, daß es Girlitze waren.

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