Aufsatz 
Fauna der näheren Umgegend von Bingen : A, I: Säugetiere und Vögel
Entstehung
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1) Erinaceus europaeus L., der gemeine Igel, den ich aus Weinbergen in der Nähe der Heſſeln erhielt. Ein mir geliefertes, lebendiges Exemplar fraß eine ihm vorgeworfene, geſchoſſene wilde Taube theilweiſe mit einer Gier auf, die keineswegs mit der geprieſenen Harmloſigkeit dieſes Thieres vereinbar war und an die Blutgier eines größern Raubthieres erinnerte.

2) Sorex araneus L., die gemeine Spitzmaus, hie und da in Feldern, Gärten, Ställen, Scheunen ꝛc., jedoch nicht häufig.

3) Talpa europaea L., der gemeine Maulwurf, von dem ich 2mal aus dem Nachbarorte Münſter die gelblichweiße Varietät erhielt.

Aus der Abtheilungeigentliche Raubthiere(Ferae) ſind namhaft zu machen:

Ursina, Bären:

4) Meles taxus Schb., der gemeine Dachs, der mir auf dem Rochusberge an den erſten ſonnigen Tagen des Februar ſchon oft einzeln und an einem Sommerabende einmal in einer Familie von 5 Stück begegnete. Es war äußerſt drollig anzuſehen, wie die ganze Familie, die an der andern Seite eines ans Gebüſch grenzenden Ackers auf der Aeßung war, als ſie meiner anſichtig wurde, in ihrer bekannten, wackelnden Weiſe die Flucht nach dem Gebüſche zu ergriff, wobei ſie ganz nahe an mir vorüber kam. Sie verſchwand hierauf im Gebüſche ſpurlos, wahrſcheinlich in ihrem Baue, deſſen Eingang ich jedoch nicht entdecken konnte.

Canina, Hunde:

5) Canis vulpes L., der gem. Fuchs, welcher ſowohl an verſchiedenen Stellen des Rochusberges, als auch

im Binger Walde ziemlich häufig angetroffen und erlegt wird. Felina, Katzen:

6) Felis catus L, die wilde Katze. Dieſes kräftige und ſchöne Thier, welches die zahme Katze bei wei⸗ tem an Größe und Stärke übertrifft, wurde mir bereits in 4 Exemplaren geliefert. Drei davon waren männlichen Ge⸗ ſchlechts und im Trechtingshäuſer Walde geſchoſſen worden, eins war weiblichen Geſchlechts und in der ſogenannten Mühe erlegt worden, wohin es wahrſcheinlich von dem Gehölze auf dem Münſterer Kopfe aus gekommen war. Bei der Section fand ich bei keinem der 4 Exemplare Reſte von jagdbaren Thieren, ſondern nur Maulwürfe und Mäuſe.

. Mustelina, Marder:

7) Mustela martes L, der Baum⸗ oder Edelmarder, ſelten, doch hie und da im Binger und Trech⸗ tingshäuſer Walde.

8) Mustela foina L., der Stein⸗ oder Hausmarder, hüufiger als der vorige, wurde mir vom Schloſſe Klopp geliefert.

9) Mustela putorius L., der Iltis oder Rat, ein überall bekanntes Thier, das mir aus den Gerbhäuſern und von Kempten zum Ausſtopfen geliefert wurde.

10) Mustela erminea L., das Hermelin⸗Wieſel, das ich von Büdesheim im Sommer⸗ und von hier und aus der Umgegend ſchon öfters im Winterkleide erhielt.

11) Mustela vuigaris L., das gem. Wieſel, an den gleichen Orten, wie das vorige, wurde mir indeſſen weniger oft geliefert.

12) Lutra vulgaris, die gem. Fiſchotter, welche an den Ufern des Rheins zwiſchen Gaulsheim und Kempten, dann vom Ausfluſſe der Nahe bis nach Trechtingshauſen vorkommt und dorten ſchon öfters erlegt wurde. Seit der Umwandlung des Grüns durch die Eiſenbahnbauten ſcheint ſie an der Nahemündung verſchwunden zu ſein; doch behauptete im vorigen Winter ein Schiffer, wieder ein Paar dieſer Thiere dorten geſehen zu haben. Seine Jagd auf dieſelben blieb jedoch erfolglos.

Die Ordnung der Nagethiere(Glires) hat folgende Vertreter:

Sciurina, Eichhörnchen.

1) Sciurus vulgaris L., das gem. Eichhörnchen, welches mir in ganz ſuchsrothen bis dunkelbraunen Exemplaren geliefert wurde und in unſern Wäldern überall angetroffen wird. Beſonders ſah man früher auf dem Wege nach Heiligkreuz, als es dort noch mehr Bäume gab, eine Menge Eichhornneſter in den Kronen derſelben

2) Eliomys Nitela, der gem. Gartenſchläfer oder die große Haſelmaus, welche auf dem Hen⸗ ſpeicher des Forſthauſes auf Heiligkreuz im Winterſchlafe angetroffen und mir gebracht wurde.

3) Muscardinus avellanarius, die Haſelmaus, ein allerliebſtes Thierchen, welches im Binger Walde, je⸗ doch nicht allzu häufig, vorkömmt. Als ich vor einigen Jahren auf dem Wege nach dem Rheinſteine die Bäume zur Erbeutung von Raupen abſchüttelte, fiel ein Exemplar, wohrſcheinlich durch die heftige Erſchütterung des Baumes, herab und wurde von einem meiner Penſionäre erhaſcht.

Murina, Mauſe:.

4) Hypudaeus amphibius L., die Waſſerratte, an den Ufern des Mühlbaches, der von Dietersheim her in die Nahe fließt..

5) Arvicola arvalis Pall. Die Feldmaus, in manchen Jahren allenthalben häufig.

6) Mus decumanus Pall. Die Wanderratte, durch welche auch hier die Hausratte ganz verdrängt worden zu ſein ſcheint, iſt bei Metzgern, Seifenſiedern, Bierbrauern, Gerbern ꝛc. in Menge zu finden.

7) Mus musculus L, die Hausmaus, in Häuſern und ſonſtigen Gebänulichkeiten überall

8) Mus silvaticus L, die Waldmaus, im Walde, Felde und zeitweiſe auch in Häuſern anzutreffen, ob⸗ gleich ihr Name nicht darauf hindeutet.

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