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als auch der wirklichen Präpositionen vielmehr der entgegengesetzten Richtung, dem gewaltsamen Rückgreifen zu den Mitteln der ältesten Dichtersprache, angehört. Noch stärker treten manche dieser Unterschiede hervor, wenn man von den Sophokleischen Dramen die jüngsten, von den Aeschyleischen den Prometheus abrechnet.
Hiermit also steht es völlig in Einklang, wenn Euripides der erste(und einzige) ernsthafte Dichter ist, der das uerd c. Gen. der Attischen Umgangssprache zu fast gleichem Rechte mit wu erhoben hat. Die Eigenthümlichkeiten des jüngeren Tragikers in Bezug auf diese und die andern sinnverwandten Ausdrücke lassen sich auf folgende Puncte zurückführen:
1. Weit reichlicheres Zulassen von uerd c. Gen. überhaupt und dabei Steigerung dieses Zu- lassens in den späteren Stücken;
2. Promiscuer Gebrauch von cey und uerd; daneben doch auch Unterscheidung;
3. Stärkere Verwendung von uerd bei sachlichen Begriffen, namentlich auch bei Abstracten zur Bildung adverbialer Phrasen, besonders in den jüngeren Dramen;
4. Mehr Anastrophe bei uerd; mehr Anastrophe auch sonst;
5. Geringere Verwendung von cu bei sachlichen Begriffen; schlichterer Gebrauch desselben überhaupt;
6. Vermehrung der Aequivalente für wuv;.
7. Abweichender Gebrauch von ãua in der letzten Periode des Euripideischen Stils.
Diese Gesichtspuncte werde ich im Folgenden der Reihe nach erörtern.
1. Ungefähr 100 Beispielen von uerd c. Gen. stehen fast 200 von ouby gegenüber. Jene Fügung tritt dadurch auf eine Frequenzstufe, wie wir sie sonst nur bei Xenophon antreffen, bei dem ebenfalls ouνy zu derd sich wie 2:11 verhält;— denn bei den übrigen Attischen Prosaikern steht sie (es sei denn durch Zufall, wegen des Inhalts) bedeutend höher, bei allen übrigen Dichtern weit niedriger;— diese(Guy) sinkt etwas im Vergleich mit Sophokles und namentlich mit Aeschylus und mit Pindar, bleibt aber noch immer weitaus die herrschende. Dass nun diese ungewöhnliche Er- scheinung bei einem Dichter aus guter Zeit vorkommt, möchte Jemand bezweifeln und auf die
bei der sehr viel geringeren Zahl von Varietäten sich fast nur darum handelt, ob ein Schriftsteller Fveua be- sonders liebt und wie er es stellt, doch herrscht vor Praep.: Postp.= 4: 1. Die Interposita sind überhaupt selten(70 Fälle bei Homer, 51 bei Euripides), in der Prosa noch seltner(z. B. im ganzen Herodot 11 mal).— Die dritte Frage bezieht sich auf die Casus und ist eine der ergiebigsten, da dabei deutlich wird, dass ur- sprünglich es so gut 3erlei C. A. gab(Homer Gen. 750— Dat. 250— Acc. 112 dvrlor mitgerechnet) wie 3erlei Präpositionen da waren, dass Doppelfälligkeit nicht selten war, ja manche Spuren auf Dreifälligkeit schliessen lassen, dass aber diese Mannigfaltigkeit der Rectionen sehr bald nach Homer auf fast ausschliessliche Genetiv- Verbindungen einschrumpfte; es sei denn dass man die in der Volkssprache gangbaren Accusativ-Adverbien vij, ud, ds, die erst mit der Komödie reichlicher in die Literatur eintreten, als eine Reaction für den Accu- sativ ansehen will, ähnlich wie dieser Casus bei den Präpositionen vordringt, und das in der Vulgärsprache (Polyb. u. s. w.) wiederbelebte duœ, ö⁵ob u. s. w. als eine eben solche für den Dativ.— Die vierte Betrach- tungsweise betrifft die einzelnen Arten und Specialitäten dieser Adverbien, wobei sich viel interessantes Detail an absterbenden und neu entstehenden C. A. herausstellt. Fast jeder bedeutende Schriftsteller hat sein Eigenes. Manche Adv. der Art sind nur poetisch, wenige andre nur, mehr fast nur prosaisch. Homer, Hesiod, Pindar, Herodot, die Tragiker— jeder Stil hat seine eigne Färbung, besonders auch unterscheiden sich die Perioden der Attischen und der späteren Prosa durch sehr deutliche Züge.— Ich finde das ganze Thema nirgends im Zusammenhang behandelt; darum, um Lebens und Sterbens willen, dürften diese flüchtigen Bemerkungen vielleicht für einen Nachfolger nicht verloren sein.


