— 3—
zwar der nüchternsten Prosa, angehörigen Fügung ³); endlich fünftens in dem Vordringen der Casus- Adverbien auf α, namentlich von ésco, und der pleonastischen Verbindungen lοννεεμιν εiο u. s. W., wührend die bei Euripides sehr grosse Neigung zur Nachstellung sowohl dieser Casus-Adverbien ⁴)
3) Und doch kann man nicht sagen, dass diese Construction der Poesie ganz fremd sei, aber die Dichter, namentlich die des höheren Tons, meiden sie sichtlich. Homer hat im Ganzen höchstens 40 Beispiele, mehr derselben in der Iliade als in der minder naiven Odyssee; Hesiod 8 bis 12; die Hymnen schon nur ein einziges, das völlig rein ist(2, 103); denn es giebt hier viele Zwitter-Erscheinungen. Bei den Kyklikern und lambographen, bei Parmenides, Simonides Ceus, im ganzen Pindar habe ich vergeblich nach einem Beispiel gesucht, dagegen einige in den Fragmenten der Lyriker(Alc. 29, 1— 29, 3— Stesich. 14, 1— Bacchyl. 28, 3— Scol. 14, 1), der Elegiker(Mimn. 5, 6— Sol. 2, 28—(Xenoph. 4, 1²)), der Kunstepiker(Panyas. 6, 5 — Choer. 4, 2—(Antim. 65, 1²)), des Empedokles(31 K.(?)— 286 K.— 4(Mullach, aus Hippolyt)), ver- hältnissmässig viele in der Batrachomyomachie(144— 182— 198) und bei Theognis(85— 530— 563— 815 — 1022— 1135— 1149— 1195(2)— 1372) gefunden. Aus Aeschylus vermag ich nur 8 sichre Belegstellen beizubringen(Pers. 531— Sept. 461(wo Schütz allerdings zr für v lesen wollte)— Ag. 156 ch.— 284— 500— Ch. 149— 404— 1012— andre sind mir ganz unsicher, z. B. fr. 72— Suppl. 551— Ch. 415, wo m. E. Goaos 9⁴οαοα zu lesen ist), abgesehen vom Prometheus, der allerdings 7 Beispiele liefert 276— 321 — 381— 578 ch.— 909— 956— 1074 an., der aber darin wie in vielen andern Zügen(z. B. im Uebergewicht der Accusativ-Präpositionen) eine jüngere Sprache zeigt als die übrigen Dramen. Bei Sophokles finden sich nur 17 solche Verbindungen(Aj. 60— 451— El.(109 m.?)— 1243— OR. 469 ch.— 1239— 1268— 1429 — 0C. 36— 115— 264— 953— 1292— Ant. 139 ch.— 783 ch.— Phil. 1056— fr. 155, 2— 695, 2 (satyr.)— andre wie Trach. 539— 1216— sind unsicher und zwitterartig).— Aber was wollen diese wenigen Stellen bedeuten gegen die Masse derartiger Structuren in der Prosa? Nicht nur Herodot, sondern ganz be- sonders die ültesten Attiker haben sie sehr oft, so Antiphon, Andocides, Thucydides(über 300mal); der jüngere Atticismus, namentlich Demosthenes in manchen seiner Reden, schrünken die Fülle wieder sehr ein. Auch die Komödie liebt diese Fügung, so hat Aristophanes sie 130 mal. Um sich von der stockprosaischen Natur der- selben zu überzeugen, braucht man nur einen Blick ins Corpus Inscr. zu werfen; die ersten 40 tituli der Attischen Inschriften enthalten unter 300 Präpositionen 12 solcher Verbindungen(76, 4— 93, 24— 27— 38 sd.(bis) — 101, 22— 103, 10— 104, 16— 107, 14— 16 sd.— 37 sd.— 108, 8 sd.), und was wäre wohl nüchterner und trockener als die Sprache der öffentlichen Documente?— Wenn also Euripides über 100 solcher Fügungen hat, dürfen wir dies wohl als ein prosaisches Element seines Stils betrachten.— Dies ist eine sehr einfache Seite der Präpositional-Composita, sonst bieten diese viele Räthsel dar. Niemand hat im Gebiete der Griechi- schen Composita sich grösseres Verdienst erworben als G. Curtius und seine Schüler, unter denen ich vor allen W. GClemm für seine treffliche letzte Schrift grossen Dank wegen Aufklärung und Anregung schulde. Ueber die adjectivischen Präpositional-Composita bin ich, wie ich glaube, auf den richtigen Weg gekommen, die sehr schwierige Frage zu lösen, und hoffe seiner Zeit davon Rechenschaft geben zu können.
4) Die Entwicklung der Casus-Adverbia, welche als neben der präpositionalen einhergehend viele interessante Seiten darbietet, habe ich in Poesie und Prosa durch die ganze Literatur verfolgt, mit voller Ge- nauigkeit jedoch nur bis auf Aristoteles(excl.) und die Alexandrinischen Dichter. Sie lassen sich, wie die Anastrophe, nach 4 Gesichtspuncten am besten behandeln. Zuerst fragt es sich um die Frequenz derselben im Verhältniss zu der der wirklichen Präpositionen. Man wird finden, dass die Dichter überhaupt sie weit häufiger und weit mannigfaltiger haben als die Prosaiker. Im Durchschnitt ist das Verhältniss der C. A. zu den Präp. in der Poesie höchstens wie 1: 6(Soph. Apoll. Rhod.), mindestens wie 1: 13(16)(Pindar. Lyrici Min.), das mittlere Verhältniss ist 1:8(Homer, Hesiod, lambogr.) oder 1:9(Euripides). Hiebei ist von Aristo- phanes abgesehn, denn wenn man alle seine unzähligen Schwurpartikeln mitrechnet, ergiebt sich das Verhält- niss zu den Präpositionen wie 1: 3.— In der Attischen Prosa ist das Durchschnittsverhältniss 1: 18, in der älteren(Thucyd.) ein geringeres 1: 22(24); die Ionische Prosa hat einen stärkeren Verbrauch von C. A.(1: 12), desgleichen Antiphon; Xenophon und Platon(1: 10(9)) gehen am weitsten, nühern sich also der Poesie.— Zweitens handelt es sich um die Wortstellung. Zuerst überwiegen die Praepositiva bedeutend die Postpositiva (8:6 Homer), dann halten sie sich ungefähr die Wage(Pindar, Aeschylus, Sophokles), erst bei Euripides überwiegen die Postpositiva merklich. In der Prosa sind die Verhältnisse der Stellung undeutlicher, weil es
1*


