— 22—
genau dieselben wie der Platonische Protagoras(3: 2: 3); die erste mehr rhetorische Hälfte vom Hirten des Hermas(Herm. Past. A) ungefähr die der Attischen Redner (7: 3: 5); über Ep. Barnab. s. oben.— Bei den apokryphischen Evangelien ist nur die grössere Neigung zum rhetorischen Casus erwähnenswerth, besonders im Ev. Nicodemi (ausser in Act. Pilati B).— Die kleine paränetische Ep. ad Diognetum hat wie Ep. Barnab. ein für Prosa ungewöhnliches fast Aeschyleisches Rectionsverhältniss(4: 4: 3), doch ist sie zu kurz, als dass man daraus Schlüsse ziehen könnte.
17. Von den beiden Patres Apostol. hat die nicht-interpolirte stark hebraisirende Form der Ignatius-Briefe ein auffallendes Zurückhalten des Genetivs gegen beide andre Casus(wie bei Philostrat. iun.);— umgekehrt herrscht in dem des Polykarp, der stark rhetorisch gefärbt ist, der Genetiv allein vor.
18. Die Kirchenväter haben nicht viel gemein mit der Sonderstellung der hebraisirenden Schriften, sondern theilen sich, wie die übrige Prosa, zwischen Genetiv- und Accusativ-Bevorzugung. Nur Origenes, dessen Sprache mehr von Paulinismus durchdrungen ist, rüůumt dem Dativ doch mehr ein als seine heidnischen Zeitgenossen. Bei Tatian und Clem. Alex. herrscht der Accusativ, bei Irenäios der Genetiv am entschiedensten; die an- dern theilen das Regiment mehr gleichmässig zwischen beide Casus, in der Art wie Platon und ihr Gegner Lucian, also so harmonisch wie möglich. Diese ältsten Apologeten waren ja auch ursprünglich wohlgeschulte heidnische Philosophen.
Für die trefflichen Forscher über die Entwicklung der menschlichen Sprachen über- haupt, deren wir Gottlob noch einige haben, dürfte das gewonnene Resultat, wenn es auch in einigen Punkten noch der Vervollständigung bedarf und hin und wieder nicht rein ist, von Interesse sein, da es die mit der Ernüchterung der Rede entstehende, oft bekämpfte, bisweilen mit Glück zurückgeschlagene, doch stets wachsende und zuletzt siegreiche Macht des Accusativs nachweist. Sie ist, wie die Präüposition selbst gegenüber dem Casus, in dem Kampf zwischen Poesie und Prosa, Schule und Natur, Synthesis und Analysis, eine starke Vorfechterin auf der linken Seite, ein Theil von jener zersetzenden Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Denn das gewaltsame Festhalten des Widernatür- lichen führt am Ende nur zu Chinesischen Zuständen der Starrheit und des Ungeschmacks. Statt der lebendigen Natur, da Gott die Menschen schuf hinein, wird eitel Pedanterie Mode der Gelehrten, Hass und Verachtung der Gescheidten, wie die ganze Römisch-Byzan- tinische Zeit zur Genüge darthut.
§ 5. Methode der vorigen Untersuchung.
Zum Schluss dieses Abschnittes will ich das Verfahren angeben, wodurch ich geglaubt habe, obige Maassverhältnisse ermitteln zu können.— Da die Arbeit sich zu Anfang nur


