Aufsatz 
Entwickelung einiger Gesetze für den Gebrauch der griechischen Präpositionen : Mety, syn und hama bei den Epikern / T. Mommsen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

des Aristoteles(Berlin 1868), wo dieselbe Beobachtung für den Philosophen gemacht war (p. 29 f.), und als dieser liebenswürdige Freund zu uns als College trat(Herbst 1869), konnte ich ihm bereits mittheilen, dass seine Beobachtung in viel weiterem Umfange als er selbst ahnte richtig, und dies Vermeiden des υν keine Eigenthümlichkeit des Aristoteles sondern, von Xenophon abgesehen und einige technische Redensarten ausgenommen, ein Kennzeichen des ganzen Attischen Prosastils sei. Eucken nahm nun in freundlicher Weise an der Arbeit Theil, indem er mehrere Schriften von Platon, Euklid, Philo Judäus dafür und für einige andere sprachliche Erscheinungen durchlas und excerpirte, wie in ühnlicher Weise auch einige jüngere liebe Freunde(mein Neffe Carl de Boor und mein ehemaliger Schüler Ludwig Bock) gelegentlich Beistand leisteten. Ich gab dabei der Arbeit eine weitere Ausdehnung, indem ich nicht nur duα und das dativische uer⁴, sondern nach und nach alle Präpositionen, namentlich àεμφꝙ, a α und 6s, in den Kreis der Unter- suchung hineinzog, um über den Unterschied zwischen Poesie und Prosa in dem ganzen Gebiete volle Klarheit zu gewinnen. Der gesammte Verlauf der Litteratur von der ältsten bis zur spätsten Zeit wurde durchmustert, vieles zum zweiten und dritten Mal ge- lesen und obwohl sich im Wesentlichen nichts Neues über die ursprüngliche Frage ergab, so trat doch sowohl manche einzelne litterarische Erscheinung in ein besonderes Licht als auch wurden allgemeine sprachhistorische und grundbegriffliche Resultate gewonnen. Indem ich nun von den Ergebnissen dieser fast fünfjährigen Bemühung hier einiges mit- theile, wäre für mich das höchste Ziel erreicht, wenn ich nicht nur von dem was mir unwidersprechlich scheint aucb andere redliche Forscher überzeugen, sondern wenn ich auch auf die Methode der Behandlung grammatischer Dinge zum Bessern einwirken könnte. Denn in der That scheint mir da eine Aenderung nothwendig. Nur wenn die sprach- lichen Einzelheiten von Anfang bis zu Ende in ihrer Starrheit oder Wandelbarkeit ver- folgt werden, wenn jede Stilart dabei genau berücksichtigt wird, kann man zu einer guten Griechischen Sprachlehre gelangen. Es fehlt gänzlich, obwohl manche gute Vorarbeiten (z. B. die Lobeck'schen) da sind, an einer litterarhistorischen Grammatik. Zu ihr kann auch die Sprachvergleichung nur einzelne wenn auch wichtige Grundgedanken liefern: das Wesentliche aber beruht auf voller Hingabe und rastlosem Fleiss im Gebiete der einen Sprache selbst, die(vom Byzantinismus ganz abgesehen) mehr als 1000 Jahre, allein in ihrer Prosa, als eine lebendige bestanden hat, und lange noch nicht ausgebeutet ist. Da ich mir nicht einbilden kann, noch dazu mehr als höchstens auf dem einen Ge- biete der Casuslehre etwas beitragen zu können, so würde eine grosse Freude für mich darin bestehen, zu sehen, dass andre und jüngere Kräfte sich der Sache in dieser Weise annähmen. Vielleicht bleibt's ein frommer Wunsch; mich wenigstens beschleicht oft der Gedanke, als ob es in unsrer rauhen Zeit thatenreich doch gedankenarm mit der elassischen Philologie auf die Neige gehe. Doch zurück zu meinem Bericht.