Aufsatz 
Bemerkungen zum ersten Buche der Satiren des Horaz
Entstehung
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aufnehmen können, und worauf wiederholt aufmerksam gemacht ist eine oder zwei Vorschulclassen zusetzen, oder es muss, wie die übrigen Gymnasien, nur eine Sexta, nicht auch eine Septima haben und in der Regel den Schüler erst mit dem vollendeten neunten Lebensjahr aufnehmen. Die Freizügigkeit und die Ein- ordnung Frankfurts in ein grosses Staatsganzes machen die Conformität unserer Anstalt in dieser Beziehung zur Nothwendigkeit: ein normaler Quintaner oder Quartaner in Berlin oder Magdeburg muss auch bei uns normal sein. Auch hat die Erfahrung gelehrt, dass die Knaben in unsere Septima nicht mit dem vollendeten 8., sondern gewöhnlich erst mit dem vollendeten 9., ja 10. Lebensjahre eintraten; wenn sie dann* ganzen langen Weg von 10 Jahren vollendeten, wäre es fast ein Wunder, da doch sehr oft noch aus dem einen oder andern Grunde ein Jahr mehr gebraucht wird. Genug, die Einschränkung unseres Cursus auf 9 Jahre ist eine Forderung sowohl der Humanität als des gesunden Menschenverstandes, da der 10jährige sich als uupraktisch erwiesen hat. Allerdings muss dabei auf gute Lehrer der Unter- und Mittelclassen gerechnet werden, die ihre Zeit mehr als je zu Rathe halten und durch ganz präcise Methode in jeder Unterrichtsstunde ein bestimmtes Stück vorwärts kommen. Die Trennung der Secunda, welche für die Mathematik schon theilweise früher bestanden hatte, wurde nun nicht nur für diese und für die Physik vollständig gemacht, sondern auch auf die meisten philologischen Lectionen ausgedehnt; in Prima konnte sie, ausser der Mathe- matik, für diesmal nur im Französischen und in den Cicerostunden eintreten. Es ver- steht sich, dass dies nicht genügt, und wir erwarten von der Güte und Einsicht der hochlöplichen Behörden, dass sie uns die Mittel zur weiteren Durchführung des getrenuten Oberclassen-Unterrichts nicht versagen werden; ich habe meine dahin gehenden Vor- schläge bereits am 11. und 23. Februar 1871 eingereicht. Jeder erfahrene Schulmann weiss, dass es unmöglich ist, mit einer Zahl von 35 40 Primanern oder Secundanern sicher durchweg gute Erfolge zu gewinnen, nicht allein in den mathematischen Lehr- stunden, sondern in allen, in denen es mehr auf das Mitarbeiten als auf das blosse Zuhören der Lernenden ankommt.

4. Was endlich die Normalisirung unseres Lehrplans überhaupt betrifft, so konnte der Director, so sehr er immer bereit gewesen ist, die berechtigten Eigenthüm- lichkeiten und die individuelle Entwicklung des Frankfurter Gymnasiums mit aller Kraft zu vertheidigen, sich doch der Ueberzeugung nicht verschliessen, dass diese Forderung unserer Staatsregierung nicht lediglich in der administrativen Bequemlichkeit, sondern auch in weiser Rücksichtsnahme auf das Ganze begründet ist, und dass die Abweichungen, welche ohne besondere Nachtheile aufgegeben werden können, nunmehr aufgegeben werden müssen, schon um den jetzt viel häufigeren Uebergang der Schüler von einem andern preussischen Gymnasium auf das hiesige nicht zu erschweren. Der wichtigste Schritt