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zur Gleichförmigkeit mit dem Normallehrplan der ganzen Monarchie(Wiese, Verord- nungen und Gesetze I, 33) ist mit der obenerwühnten Beseitigung der Verschiedenheit der Cursusdauer und des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts gethan. Dass in Ober-Tertia und Quinta eine Religionsstunde wöchentlich zugelegt werde, halte ich nicht gerade für nothwendig, aber es kann ohne Schaden geschehen, wenn dieser Unter- richt, wie es bei uns Gottlob der Fall ist, in den rechten Händen ist. Die Mehrstunden im Französischen und im geschichtlich-geographischen Fache konnten ebenfalls zum Theil aufgegeben werden, besonders um dadurch für Mathematik und Natur- wissenschaft Platz zu gewinnen, ohne doch die eigentlich philologischen Fächer zu benachtheiligen. Auch würde durch Vereinigung der Geschichte und Geographie in eine Hand von anderer Seite gewonnen sein; eine Verschmelzung dieser Gegenstände, wie sie auf gewissen Stufen sehr zweckmässig ist, war für den Augenblick nicht thunlich, da der Geschichtslehrer für die Katholiken es von sich ablehnte, die Geographie zu übernehmen, diese also entweder wegfallen, oder, damit auch die Katholiken daran Theil nehmen könnten, von der Geschichte getrennt gehalten werden musste. Hoffentlich werden wir später im Stande sein, diese Inconvenienz zu beseitigen. Dagegen sind die Mehr- stunden im Griechischen nicht aufgegeben worden, da in dem vorzüglichen Betreiben dieser Sprache ein charakteristisches Element unserer Tradition besteht. Die übrigen Abweichungen, wie die etwas andere Vertheilung des deutschen und lateinischen Unter- richts in Prima und Secunda und des Schreibunterrichts in den Unterclassen, sind kaum von Belang. Auch den kaum eingeführten Studientag— eine Einrichtung, um die wir von Vielen beneidet werden und die man anderswo nachahmt— sollte um der Norma- lisirung willen keineswegs preisgegeben werden. Unsere Regierung lässt auch anderswo dergleichen geringfügige Verschiedenheiten zu. In Bezug auf die Stundenzahl ist kein weiterer Unterschied, als dass unsere Schüler durchweg eine obligatorische Lehrstunde wöchentlich mehr haben als der Normalplan verlangt.
Schliesslich ist zu erwähnen, dass nun auch die Benennungen der Classen gleich den altpreussischen sind; unsere frühere Tertia heisst nun Obertertia; für Ober- duarta ist der Name Untertertia, für Unterquarta die Bezeichnung Quarta eingetreten.
Der Studientag in Prima hat sich noch immer als recht erfolgreich für die Selbstthätigkeit aller besseren Schüler bewiesen. Bei einigen fand sich allerdings auch Gleichgültigkeit dagegen, Missverstehen, ja Missbrauch dieser Privat-Studien. Uebrigens mussten sie nun definitiv auf 3 wöchentliche Stunden beschränkt, auch, da mehrfache Hindernisse(die Ueberfüllung der Classe, die acht Tage aussergewöhnlicher Ferien— siehe oben—) in den Schriftstellern nicht so hatten vorwärts kommen lassen


