Aufsatz 
Bemerkungen zum ersten Buche der Satiren des Horaz
Entstehung
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bahnhof, manche auch ausserdem als Krankenpfleger in den hiesigen Lazarethen gedient. Mehrere frühere Schüler des Gymnasiums zeichneten sich im Felde aus und wurden Officiere; zwei von den ersten Gymnasial-Abiturienten des preussischen Frankfurt a. M. (von Ostern 1867) Adolf Fester und Richard Wülcker, ein Abiturient von Ostern 1868 Otto Weodewer und der dritte der oben erwähnten letzten Richard Heymann er- hielten das eiserne Kreuz; zwei Andere, im Herbst 1869 aus Secunda als Officiersaspiranten abgegangen, litten den Tod fürs Vaterland: der eine, Otto Jungé, starb im Lazarethe zu Reims am Typhus 1. October 1870, der andere, Heinrich von Biülouw, Enkel dey grossen Helden der Freiheitskriege, fiel in einem Waldgefecht bei Chäteaudun 18. November 1870 all dies für Frankfurt a. M. ebenso seltene wie bedeutsame Ereiguisse, die nach dumpfen Uebergangs- und Verstimmungsjahren auf eine frischere und freudigere Zukunft hinweisen.

Auf die im vorjährigen Programme S. 38 erwähnte Vorstellung des Directors vom 14. Februar 1870, in welcher Beibehaltung der am hiesigen Gymnasium üblichen Form der Maturitätsprüfung, event. für die Einführung der altpreussischen Prüfungsordnung ein Aufschub bis Ostern 1874 nachgesucht wurde, ertheilte Se. Excellenz der Herr Unterrichtsminister unter dem 19. April 1870 den Bescheid:es werde gegenwürtig ein neues, für die ganze Monarchie gültiges Abiturienten-Prüfungsreglement vorbereitet; bis zum Erlass desselben würde das Frankfurter Gymnasium unverhindert sein, das bisherige Verfahren beizubehalten. Wir können nicht umhin, für diese gütige Antwort dem Herrn Minister unsern ehrfurchtsvollen Dank auszusprechen, es liegt darin das Vertrauen, dass das Lehrercollegium die zeitweilige Ausnahmestellung des Frankfurter Gymnasiums nicht missbrauchen und im Ertheilen oder Versagen des Reifezeugnisses mit strenger Gerechtigkeit verfahren wird. Wir können unsere Schüler nicht genug vor dem Irrthum warnen, als ob bei uns die Maturität leichter zu erreichen sei als anderswo, und fordern sie dringend auf, sich durch hingebenden Fleiss und Eifer einer so ehren- vollen Gabe werth zu machen. Mögen sie wohl bedenken, dass unsere freiere Art und Weise wesentlich auf dem Gedanken beruht, dass gute und strebsame Schüler sie zur unbehinderten Entwicklung ihrer Selbstständigkeit benutzen sollen, und dass, wenn dies in verkehrter Weise aufgefasst werden sollte, der Director der erste sein würde, der die rasche Einführung eines grösseren Zwanges von den Behörden erbitten würde.

Der reformirte Lehrplan, welcher gegen Ende des vorjährigen Schuljahres (5. März 1870) eingereicht wurde(s. Programm von 1870, S. 37 f.), erhielt die Geneh- migung der vorgesetzten Behörden, und es wurden die für die Vermehrung des mathe- matisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts nothwendigen Kosten mit dankenswerther