Aufsatz 
Bemerkungen zum ersten Buche der Satiren des Horaz
Entstehung
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nehmen also das Kirchner'sche Argument p. 365 für uns in Anspruch und- sagen: Gerade dass auf den Etrusker nirgendwo ein Citat sich findet, macht es wahrscheinlich, nicht, dass er ein sehr obscurer Dichter gewesen sei, sondern dass er als ein gesondertes Individuum gar nicht existirt habe.

Ob dieser also derselbe mit dem Cassius von Parma gewesen sei,wage ich(um mit J. H. Voss zu Verg. Bucol. 6, 6 zu reden), nicht zu läugnen, wiewohl bei schwacher Wahrscheinlichkeit das Lüugnen für sicherer, sogar für scharfsinniger, gehalten wird. Gewissheit ist, so lange nicht neue Quellen sich erschliessen, in solchen Dingen schwer- lich zu erlangen.

Sollen wir es darum unterlassen, Muthmassungen aufaustellen? Freilich macht sich seit mehreren Decennien in unsrer Alterthumswissenschaft eine Richtung breit, welche jede solche auslegende Kühnheit als phantastische Thorheit belächelt und dagegen im Verurtheilen des Ueberlieferten als unsinnig, unecht, transponirt, lückenhaft ihren Stol⸗ sucht. Es ist mir so, als ob man dabei nur aus der Noth eine Tugend und aus der eignen Beschränktheit und Geistesarmuth ein Princip macht, das man dann mit dem erhabenen Namenechter Wissenschaftlichkeit belegt. Ich glaube vielmehr, dass wir recht viel in die Alten hineindeuten müssen, aber aus dem Verständniss des Ganzen, wenn wir sie begreifen wollen und wenn dieses Begreifen unsrer Bildung wahren Nutzen

bringen soll.