Schulnachrichten.
Das merkwürdige Jahr 1870/71, gross und erfolgreich wie wohl kaum ein anderes der deutschen Geschichte, ist für das Frankfurter Gymnasium ein besonders unruhiges und bedrängtes gewesen. Der Grund hiefür lag zum grossen Theil in den Personalien des Lehrercollegiums. Dieses verlor den 28. December 1870 sein ältestes Mitglied, den Professor Johann Daniel Hechtel. Er war ein Muster der Pflichttreue: bis zu dem Anfangstage seiner letzten Krankheit(28. November 1870) hat er, seit April 1845, nie eine Stunde versäumt; seinen vielen Schülern wird er als ein ebenso liebreicher wie kenntnissreicher, geschickter und eifriger Lehrer, allen seinen Collegen und Freunden als ein Mann von edlem wissenschaftlichem Sinn, von dem biedersten zuverlässigsten Cha- rakter unvergesslich sein. Am 30. December folgten wir seinem Sarge, an welchem sein Jugendfreund der Consistorialrath und Pfarrer Herr Dr. Kirchner eine treffliche Rede zum Gedächtniss des Hingeschiedenen hielt. Die Stelle desselben wurde vom 9. Januar 1871 an durch Herrn Dr. Bernhard Rauscher als Vicar verwaltet.— Sechs andere Mitglieder des Lehrercollegiums erkrankten im Laufe des Schuljahres auf geraume Zeit: Herr Prof. Ernust fehlte fast wüährend des ganzen Sommers, Herr Prof. Dr. Ehberz fast während des ganzen Winters, Herr Prof. Dr. Oppel ungefähr von Mitte December bis nach Mitte Februar, Herr Prof. Dr. Riese im Januar und zum Theil auch im Februar, Herr Prof. Dr. Rumpf mehrere Wochen im Januar; Herr Dr. Steite wurde wührend des Winters von einem Augenleiden betroffen; auch Herr Prof. Dr. Janssen musste mehrfach wegen seiner leidenden Gesundheit aussetzen;— so dass ausser dem Director leider nur vier Mitglieder des Collegiums(die Herren Prof. Dr. Schmidt, Prof. Dr. Creizenach, Dr. Eucken, und Dr. Jekel) in ihrer Thätigkeit ganz oder fast ganz ungestört blieben. Der Schreib- lehrer Herr J. H. Zinndorf, dessen Kränklichkeit schon oft Unterbrechungen veranlasst hatte, fehlte von Anfang des Schuljahres an und sah sich dann zu unserm Bedauern (denn wir verlieren an ihm einen tüchtigen Lehrer) im November genöthigt, seinen Dienst am Gymnasium ganz aufzugeben. Ausser Herrn Dr. Rauscher fungirten als Vicare 1) für den französischen Unterricht Herr Albert Mathey aus der Schweiz;— 2) für den Schreibunterricht die Herren Gräf(von der höheren Bürgerschule) und Joh. Jul. Rommel;


