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dieser Satire nach Besiegung der keltischen Bojer gegründete römische Colonie; vorher war sie ungefähr 200 Jahre lang eine gallische Stadt gewesen, als solche heisst sie noch später z. B. bei Martial(5, 13, 8) Gallica Parma. Zwar war hier vor alter Zeit das Gebiet tuscisch, aber wie hätte 350 Jahre später ein Bürger von Parma sich einen Etrusker nennen können? Eine der Hauptstellen(Liv. 39, 55) lautet: EFodem anno (183, ungefähr Plautus' Todesjahr) Mutina et Parma coloniae Rom. eivium sunt deductae. Bina milia hominum in agro, qui proæime Boiorum, ante Tuscorum fuerat, octona iugera Parmae, quina Mutinae acceperunt. Könnte aber nicht von Einzelnen da Zeit des Gallischen Besitzes(388— 183) ignorirt und der alte Ruhm, dass Stadt oder Land eigentlich etruskisch waren, wieder zur Geltung gebracht worden sein? War es unmöglich, dass einzelne Familien ihren Adel auf den tuscischen Patriciat zurückführten? Manches, was mitten im Keltenlande lag, galt noch später für tuscisch, so Mantua; vgl. meines Bruders Röm. Gesch. I, 326— 328. Die römischen Colonisten verdrängten wohl die gallischen Bojer, nicht aber was von Ueberresten der alten Landeseinwohner noch vor- handen war. Ueberdies sind die Worte des Horaz spöttisch gemeint: wie wenn es eine übermüthige Anspielung auf die Eitelkeit des Parmensis wäre, der sich fälschlich oder mit lächerlich antiquarischer Gelehrsamkeit dessen gerühmt hatte, eigentlich ein Etrusker zu sein? Nehmen wir einmal an, dass in der ehrbaren Stadt Mühlhausen, nachdem wir sie mit Gottes Hülfe wieder anderthalb Jahrhunderte in unserm Besitz gehabt haben werden, ein Poet, natürlich ein heftig republikanisch gesinnter, aufstände. Bei Gott ist kein Ding unmöglich, also wenn vor dem Schwertergeklirr die deutschen Musen überhaupt in den nächsten Jahrhunderten Stand halten, könnte dies sogar in Mühlhausen vorfallen. Parma war auch durch seine Wolleninqustrie einst so berühmt wie jetzt durch seinen Käse, und doch entsprang daselbst der Dichter Cassius. Ge- setzt nun, der Mühlhäuser Cassius habe in einem der seinen Herrn und Kaiser hoch- verrätherisch schmähenden Gedichte, wofür er verdientermassen aufgehängt wurde, da- mit geprahlt— ein freier Schweizer zu sein. Er würde dabei den 73jährigen galli- schen Besitz der Stadt, der allerdings das Wesen derselben nicht gründlich veränderte, ignorirt und die mehr als 300jährige frühere Stellung seiner Vaterstadt, die sie fast zu einer schweizerischen machte, ins Auge gefasst haben. Aber er könnte auch wirklich aus einer dort ansässigen Schweizer Familie stammen, und nur das hätte etwas komisches, dass er, nach so vielen Wandelungen in Mühlhausen noch darauf pochte, ein Schweizer zu sein. Oder sollen wir, wenn wir jetat Colonisten dorthin
entsenden, diese„Schweizer“ wie die Franzosen verjagen? Scherz bei Seite: mir


