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2. Der zweite Widerspruch liegt in dem verschiedenen Urtheil des Horaz über die litterarische Bedeutung des Cassius an unserer Stelle und in dem Briefe an den Tibull. Diese Verschiedenheit ist nicht wegzuläugnen, vielleicht aber zu erklären. Der Parmensis gehörte als ingrimmiger Feind des Octavian vermuthlich einer Horaz damals feindlichen litterarischen Coterie an, und wenn auch Horaz sein früherer Partei- genosse war, so konnte dies, da er sich der Partei abgewandt hatte und jener sie mit grosser Heftigkeit festhielt, wie bei dem jungen Labeo, den Gegensatz eher schärfen als mildern. In den Augen seiner durch bittern Hohn beleidigten litterarischen Feinde mochten, kurz nach seinem kläglichen Ende, wo die Wogen der Leidenschaft noch hoch giengen, seine Gedichte wie wilde Sudeleien erscheinen und eine boshafte Anekdote(Sei es vom Umfallen der Studirlampe und dem unter seinen eigenen Manuscripten schier verbrennenden Dichter, sei es von dem Anzünden des Scheiterhaufens mit seinen eigenen Geistesproducten) ein willkommener Stoff sein, während zehn Jahre später eine versöhn- lichere Stimmung und ein gerechteres Urtheil über seine Verdienste an die Stelle trat. Die Satirendichtung überhaupt, wie sie sich durch die Lebhaftigkeit und Wärme der edlen Empfindungen auszeichnet, ist keineswegs frei von jugendlicher Hitze der Polemik, von kecken, verletzenden Ausbrüchen des Unmuths und Uebermuths. Indess ist einem Schelm wie Horaz nicht zu trauen, namentlich in den zarter gehaltenen Episteln, und so könnte ein leiser Anflug von Spott darin liegen, dass er seinen Tibull im Verdacht hat, er sinne auf Lieder, die über die Werklein des Cassius von Parma triumphiren sollen, halb vielleicht nur gegen Tibull, halb gegen das die Cassianische Sturm- und Drangpoesie bewundernde Publicum gerichtet. Wie wenn jetzt man eine humoristische Epistel an einen brother-poet damit begänne:„Lieber, was machst Du? soll ich sagen, Du schreibst wieder Dramen, die Raupach und Frau Birch-Pfeiffer aus dem Felde schlagen sollen?“ Solche kleine Hänseleien unter Zunftgenossen wird wohl niemand für Krän- kung und Grobheit erklären. Der Ton und die Stimmung des Briefes ist wie der der meisten Episteln durchaus humoristisch, nicht blos am Schluss; hiezu würde eine halb und halb gegen das undankbare Geschäft des Versemachens gerichtete Aeusserung wohl passen. Genug, es gibt, bei der so ganz von Stimmungen beherrschten Horazischen Dichtungsweise, mehr als einen Weg, die wirkliche oder scheinbare Verschiedenheit des Urtheils zu erklären. Nimmt man erstere an, so bietet sich als Analogie das Schwanken in der Beurtheilung des Hermogenes Tigellius dar.
3. Der Haupteinwand ist noch übrig. Man hält die beiden Epitheta Etruscus
und Parmensis für unvereinbar. Die Stadt Parma war eine reichlich 150 Jahre vor


