Aufsatz 
Bemerkungen zum ersten Buche der Satiren des Horaz
Entstehung
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18 diese neu hinzutretende Persönlichkeit ganz aus der Luft herab und hätte in andrer Weise ausdrücklich eingeführt werden müssen. Auch wenn einer der Passagiere damit gemeint wäre, hätte dies deutlicher gesagt werden müssen; dassder Reisende die ganze Reisegesellschaft bedeuten soll, ist noch unnatürlicher. Nur dann, wenn der viator wie der nauta gleich jedem Leser durch diese Bezeichnung in seiner Stellung klar wird, ist die Darstellung anmuthig und natürlich.

Sat. I, 5, 91. Zweihundert Jahre nach Horaz war Canosa noch so wasserarm, dass der reiche und wohlthätige Herodes Atticus den Canusinern einen Aquäfduct erbaut zu haben scheint: Philostr. Vit. Soph. 2, 1, 9. Uebrigens hat auch der Ofanto nicht immer viel Wasser. Als wir im Herbst 1846(nach einem sehr heissen Sommer) von Canosa nach Venosa fuhren, kamen wir auch quer durch den Fluss, wo unser Auto- medon(Antonio) seine flinken apulischen Rösslein mitten im dürftigen Rinnsal des Stromes tränkte, ohne dass die Insassen des Wagens, obwohl sie pfichtschuldigst die Hand ans Ohr hielten, von dem longe sonans Aufidus auch nur die leiseste Spur eines classischen Rauschens erhorchen konnten.

Sat. I, 6. Der Gedankenzusammenhang in der sechsten Satire ist meiner Mei- nung nach dieser.

Obgleich du von altadeliger Herkunft bist, Mäcenas, machst du es doch nicht wie sonst die Vornehmen: qu verachtest mich den Niedriggebornen nicht. Indem du nun meinst, es sei einerlei, aus welcher Familie einer stamme, wenn er nur geistig frei- geboren(ingenuus) sei, hat deine Ansicht insofern den Charakter eines allgemein gültigen Satzes, als es bekannt ist, dass von den ältesten Zeiten her, selbst noch vor der Zeit des Servius Tullius, der aus einem Sclavensohn König wurde, oft grosse Männer aus dem Nichts entsprungen und zu der höchsten Ehre gelangt sind, während Adlige, wenn sie nichts taugten, trotz des Ruhms ihrer Ahnen oft auch im Volke nichts galten. Und dies will immerhin etwas sagen, denn das Volk hat, wie männiglich bekannt ist, von vornherein eine blinde Verehrung vor grossen Namen und ererbtem Ruhme. Wenn also trotz dieser blinden Verehrung selbst das Volk schon bisweilen mit gerechtem Maasse misst und Verdienst über Geburt stellt, wie viel mehr müssen wir, die wir hoch über dem Volk an philosophischer Bildung stehen, dies thun? Denn lassen wir das nur gut sein(esto) mit der Gerechtigkeit des Volkes ist es im Grunde nicht weit her: das Volk ist eigentlich doch immer aristo- kratisch gesinnt und geneigt den Vornehmen dem Emporkömmling vorzuziehen; und

die altrömische Sitte stösst den Eindringling aus; sogar, könnte man sagen, mit