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Sat. I, 5, 6. Ich erkläre gravis durch„langweilig.“ In der That ist diese Strecke der Appia, welche hier in einer geraden Linie durch ein Tiefland ohne Abwechslung geht, eine recht langweilige. Darüber freilich können die Ansichten verschieden sein, ob man durch Theilung eines solchen Weges ihn sich erträglicher macht: aber für Horaz passt diese Ansicht vollkommen. Das minus est gravis Appia ist also gerade so gesagt, wie das minus via laedit am Ende des 9. Schäfergedichts des Vergil, wo Lycidas vorschlägt sich die Langeweile des Weges durch Singen zu verkürzen.— Bei- läufig sei erwähnt, dass ich im Vorsommer 1847 bei einer Fahrt von Neapel nach Rom Foro Appio noch ganz so mit„boshaften Schenkwirthen“ gesegnet fand, wie der Venu- sinische Dichter 1884 Jahre früher. Ich erinnere mich, dass unsere Reisegesellschaft, die aus sehr verschiedenen Elementen bestand, nur zum Theil Lust hatte auszusteigen und dass, da die Damen im Wagen blieben, überhaupt nur 4 Tassen Kaffee bestellt wurden. Schon dies setzte den Wirth sichtbar in Wuth und er verlangte nachher einen sehr hohen Preis, 4 oder 6 Paoli. Mir fiel die Verhandlung mit dem caupo zu und ich reducirte seine Forderung ohne Umstände auf 2 Paoli. Als ich ihm das Zweipaulstück hinreichte, nahm er es, schleuderte es unter dem Aufschrei Due Paoli! vor Wuth in die Ecke des Zimmers und würde unfehlbar über uns hergefallen sein, wenn nicht die ehrfurcht- gebietende Gestalt eines langen blonden, übrigens höchst unschuldigen Engländers(der natürlich Thompson hiess), die dräuenden Blicke eines Franzosen(eines trefflichen Mannes, der uns einige Wochen früher durch seinen besonnenen Muth aus Todesgefahr errettet hatte, M. Féry d'Ecland, von der Insel Bourbon), und einige zu pugilistischen Lebens- üusserungen nicht übel aufgelegte junge Germanen(z. B. v. Alvensleben) den Wüthe- rich im Zaum gehalten hätten. Wir konnten also ungehindert den Rückzug antreten und der„boshafte Schenkwirth zu Foro Appio“ wird nachher auch wohl sein Zweipaul- stück wiedergefunden haben.
Sat. I, 5, 16 ff. Unter dem viator denke ich mir den, der das Maulthier des Ziehkahns den Pfad am Rande des Canals entlang treibt, und glaube, dass Acro's Worte nauta in navi, viator qui mulam ducebat aus Porphyrio stammen, und dass die Worte Posteaquam obdormierint viatores bei Porphyrio corrupt sind. Da viator insbesondere den Fusswanderer bezeichnet, so wäre es nicht übel anzunehmen, dass ein so ange- wandter Maulthiertreiber bei den Römern viator hiess. Bei weitem am Besten für die Situation ist es, wenn sowohl der nauta als der eiator ihr bestimmtes Geschäft bei der Fahrt haben. Sieht man dagegen in dem Letzteren einen beliebigen am Ufer entlang
wandernden„Reisenden“, nach Art unserer Handwerksburschen älteren Stils, so schneit 3


