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ohne sein Zuthun hinbrachten oder entgegenbrachten(cf. Epist. I, 12, 21), bei der jedesmaligen Vorlesung, damit der Herr Professor ohne Verzug„lesen,“„an- fangen“ könne: so gieng von der kostbaren hora keine Minute verloren. Die imgo wäre dann eine seine schlechte Poesie erklärende Tafel gewesen, wodurch Fannius ins Gebiet des aere dato qui pingitur hineingeriethe. Auch ein Modell, das in der einen oder andern Art bei der Lesung gebraucht wurde, kann man sich unter der imago denken.
Doch bleibt dies fürs Erste nur eine sehr bescheidene Andeutung, wie, man ver- suchen könnte, die noch nicht genügend erklärte Stelle zu verstehen. Porphyrio, dessen Zeitalter dem Horaz nahe stand, spricht von Fannius cujus imago et capsae eum libris in bibliothecas ultro receptae sint— was allerdings eher auf Privatbibliotheken seiner Gönner als auf eine öffentliche Bibliothek bezogen werden kann. Da es später Sitte war, die Bibliotheken höchst luxuriös mit Büsten auszuschmücken, so könnten auch schon Porphyrio und seine Zeitgenossen die imago missverstanden und die ganze Stelle nach der Sitte ihrer Zeit falsch ausgelegt haben. Döderlein's Ansicht, als ob mit der imago das Bildniss des Verfassers gemeint sei, finde ich ganz willkürlich und nirgends etwas Analoges aus antiken Sitten nachweisbar.
Sat. I, 4, 85. 100. Rasch gelesen ergibt sich sogleich, dass
v. 85 hie niger est, hune tu Romane caveto. und v. 100 etc. hic nigrae sucus loliginis, haee est aerugo mera nur in einer und derselben Richtung gesagt sein können: diese parallelen Glieder deuten den Zusammenhang an. Hiermit fallen die äusserst geschraubten Versuche weg, die Verse 81— 85 dem Gegner zuzutheilen. Mit 86 beginnt also nicht die Antwort auf seinen Einwurf, sondern der zweite Theil der Selbstvertheidigung, die nun von der Theorie zum praktischen Falle übergeht.
Sat. I, 4, 140 etc. Der Schluss ist, wie oft, etwas burlesk, so auch darin, dass er ein, wie es scheint, bisher übersehenes plautinisch-wohlfeiles Wortspiel mit dem doppelsinnigen concedere enthält, etwa so:...„und willst du davor dich nicht(zur Ruhe) begeben... so werden wir dich zwingen, dich zu uns zu begeben.“ Der witzige Vergleich der Poeten- oder Literaten-Zunft mit der J udenschaft zu Rom gründet sich weder blos(wie Döderlein will) auf das feste Zusammenhalten der Juden unter sich, noch(wie Krüger meint) hierauf und auf ihre Proselytenmacherei, sondern ganz besonders darauf, dass sie, obwohl eigentlich bei weitem die Minorität bil- dend, doch stets die Majorität zu gewinnen wussten.


