Aufsatz 
Bemerkungen zum ersten Buche der Satiren des Horaz
Entstehung
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Einige Piquirtheit darüber, dass der geistvolle junge Manu so gar nicht zu gewinnen war, mochte auch mit unterlaufen; er war ja auch ein grosses schriftstellerisches Talent (cf. Dig. II. u. oft). Ob nun das Betragen des jungen Labeo zu dem Vorwurf der Tollheit durch besondere auf stoischen Rigorismus bezügliche Excentricitäten Veran- lassung gegeben habe und in welcher Weise dies geschehen sei, können wir freilich nicht nachweisen; doch ist es an sich durchaus nicht unwahrscheinlich. Dieselben Eigenschaften, welche später den grossen Mann ausmachen, zeigen sich manchmal in der Jugend in höchst wunderlicher Gestalt. Charakterfestigkeit, unbedingter Freimuth, strengste Consequenz des Denkens und Handelns mochten bei Labeo in diesen unreifen Jahren und unter dem Druck des schweren Familienunglücks in nicht sehr liebenswür- diger Gestalt, ja barock und lächerlich erscheinen, zumal für Andersgesinnte und Ferner- stehende. Es liessen sich Beispiele genug, selbst der neuesten Zeit, dafür anführen, dass wer in reiferen Jahren ein sehr bedeutender Mann geworden ist, in seiner Jugend fast für einen abenteuerlichen Narren gegolten hat.

Da nun diese Beziehung viele innere Wahrscheinlichkeit hat und keine äusseren Gründe im Wege sind, sehe ich keine genügende Veranlassung von der Erklärung des Porphyrio abzuweichen. Wie viel mehr sein Zeugniss gilt als das der übrigen Horaz- Scholiasten ist(seit Usener's Untersuchung) ausgemacht, wird aber keineswegs genü- gend selbst von unsern neuesten Hgg. beachtet.

Ich will nicht vergessen Dillenburger's zu gedenken, der sich, mit vollem Recht, nicht hat irre machen lassen.

Sat. I, 4, 11. Aus dem Zusammenhange gerissen könnte der Vers allerdings missverstanden und(wie es manchen Sprüchen geht) in umgekehrtem Sinne verwandt werden: in dem Zusammenhange ist er gar nicht doppelsinnig und kann nur als Tadel des Lucilius aufgefasst werden. Ebenso I, 10, 50. Der Gedankein dem Schlamm seiner poetischen Sündfluth lag doch auch manche Perle wäre hier störend, da das Folgende(garrulus atque piget etc.) dann nicht den Haupttheil(erat quod tollere velles), sondern den Nebentheil des vorangehenden Gedankens(den Tadel cum flueret lutulentus) fortspinnen würde.

Sat. I, 4, 21 etc. Vielleicht ist der Sinn der verzweifelten Stelle ein anderer. War Fannius ein Modeschriftsteller, der seine Clique oder Claque hatte, so konnte seine Popularität dadurch charakteristisch bezeichnet werden, dass er das Werkzeug zu seinen Vorlesungen nicht selbst hinzuschaffen hatte, sondern dass seine Servibiles ihm, ohne dass er darum bat, seine Hefte und IIlustrationen auf die Kathedra legten, sie ihm