Aufsatz 
Bemerkungen zum ersten Buche der Satiren des Horaz
Entstehung
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es doch ein Schritt zum Bessern, dass er den Rettungshafen der Ironie, in den alle seine Vorgänger hineingesegelt waren, verschmähte.

Sat. I, 3, 20. Ueber diesen locus vexatissimus, zu dem durch den neuesten Horaz- Erklärer abermals eine neue Conjectur gesteuert worden(Lehrs schreibt ajo für alia und behält et bei), sagt Krüger:Der Hauptgedanke bleibt in beiden Füllen(ob man das et der besten Ueberlieferung oder das haud der Vulgata seit Aldus schreibt)der, dass Horaz auf die an ihn gerichtete Interpellation wegen des über andere ausge- sprochenen Tadels es nicht macht wie Maenius, sondern jedenfalls zugesteht, dass er auch Fehler habe. Diese Deduction ist mir unverständlich. Horaz tadelt mit dem Zusatz et fortasse minora bereits die Eigenliebe, welche, wenn sie auch die eigenen Fehler nicht ganz läugnen kann, sie doch zu beschönigen strebt. In ganz anderem Zusammenhange sagt H. Sat. I, 4, 130 und 6, 65 etwas von sich, was allerdings eine milde Auffassung seiner eigenen Schwächen durch ihn selbst beweist. Der- gleichen Widersprüche, wenn man sie so nennen will, finden sich bei allen Dichtern geistreich-sententiöser Art, z. B. bei Goethe, bei Euripides. Jedes Ding hat zwei Seiten. Was Horaz, hier nicht als Horaz sondern als Beurtheiler der menschlichen Seele überhaupt sagt, dass die Eigenliebe stets geneigt sei, die eigenen Schwächen zu bemän- teln, braucht ihn durchaus nicht zu hindern, anderswo, wo er von seinen Fehlern ins- besondere spricht, diese nicht strenger zu beurtheilen, als er es für Recht hält. Man hat sich, glaube ich, durch die dialogische Form der allgemeinen Deduction dazu ver- leiten lassen, hier eine Beziehung auf Horaz selbst zu suchen. Auch Bentley's sonst scharfsinnige Auseinandersetzung leidet an diesem Irrthum. Nicht darum ist haud zu verwerfen, weil darin ein Widerspruch gegen 4, 130 und 6, 65 liegen würde, und in dem fortasse liegt keine summa urbanitas quasi non pugnaturus foret si quis vel aequalia diceret, sondern die Vermuthung des dünkelhaften Ich, welches die eigenen Schäden für kleiner hält als die fremden: dies fortasse ist ein recht hoffärtiges Wörtchen. Schriebe man aber haud, so wäre m. E. der ganzen Stelle der Nerv ausgeschnitten, oder vielmehr es wäre, was noch weiter ausgeführt werden soll, sogleich plump abgethan, und die dann mit Maenius ekc. beginnende neue Deduction stände ziemlich abrupt da.

Dass Horaz nicht von sich, sondern ganz allgemein, obwohl nach seiner Art in dialogischer Form, spricht, hätte schon der Umstand beweisen können, dass der Be- schönigende bald in erster Person antwortet, bald nur in der zweiten(25 cum tua per- videas etc.) angeredet wird ohne zu antworten. Man vergisst überhaupt, dass H. ja bis- her in diesem Gedicht noch keine Silbe von der Satirendichtung gesagt hat, kein Leser