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hierin die Beantwortung der aufgestellten Frage sehen, mit(allerdings hartem) Nach- druck auf ut avarus:„Sollte(also) die Sache nicht so sein, dass Jeder, insofern er habsüchtig ist, jene leet—οκμοοα hat? Denn sic festinanti u. s. w. Doch würe auch diese Form des Gedankens meiner Meinung nach matter und künstlicher als die directe Frage mit Qul.
Unter den Conjecturen befriedigt mich nur das Nipperdey'sche Quia, wozu der Nachsatz erst v. 117 Inde ſit u. s. w. folgen würde. Es kann sein, dass die Vorliebe für diese Conjectur daher rührt, dass ich selbst vor Zeiten auf dieselbe Vermuthung gerathen bin. Doch trotz der Gewaltsamkeit, dass wir dann allerdings 5 oder 6mal den Conjunctiv in den Indicativ verwandeln müssen, scheint mir hierbei noch immer in einer sehr schön gegliederten Periode ein wirklicher Gewinn für den Schluss des sinnigen Gedichts zu liegen.
Sat. I, 1, 33. Nach dem gewöhnlichen Gebrauche sollte der Genitivus qualitatis einem Gattungsbegriff(Mensch, Thier), um dessen Arten zu unterscheiden, nicht einem Artbegriff(Ameise) oder einem Einzelnamen(Lydia, Folia) in der Bedeutung eines epi- theton ornans beigefügt werden. Hier aber soll nicht die formica magni laboris von der formica parvi laboris unterschieden werden, sondern es wird der formica überhaupt ein für alle Mal diese Eigenschaft der Arbeitsamkeit beigelegt, ebenso wie die der Kleinheit durch parvola. Diese eigentlich missbräuchliche Anwendung des Gen. qualit. lässt sich in manchen dafür angeführten Prosastellen z. B. in Cic. Brut. 90 aus einer Satz- verkürzung erklären, so dass bei der nachgesetzten Opposition ein Begriff wie qui— erat oder homo, vir vorschwebte. Härter ist die Anwendung bei Voranstellung des Genitivs wie Epod. 5, 41 masculae lihidinis Ariminensem Foliam oder bei der Zwischenstellung wie hier Parvola— magni formica laboris und Od. 3, 9, 7 multi Lidia nominis, wo es eigentlich Niemand einfallen konnte hier puellam oder dort animal hinzuzudenken. Das Beispiel Sat. II, 8, 84 Nasidiene, redis mutatae frontis ist m. E. von verschiedener Art und sieht mehr nach einem adverbialen Genitiv zu redis, als nach einem Gräcismus, aus. Uebrigens würde, da alle aus Horaz, Cicero, Livius, Tacitus angeführten Beispiele dieses Missbrauchs nur persönliche Eigennamen mit dem Gen. qual. darbieten, unsre Stelle ganz allein stehen, wenn man nicht daran denken müsste, dass die Formica ja eben auch der Thierfabel angehört und insofern eine Personification nahe liegt.
Sat. I, 1, 7. horae momento heisst nicht„in der Entscheidung einer Stunde“ (Fr. A. Wolf), sondern ist eine zusammenhängende Wendung für„in einem Augénblicke, im Nu.“ Acro: in puncto temporis.


