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gierigen Selbstsucht, und vernichtet in Ernst und Scherz alle Scheingründe, die die ge- wöhnliche„praktische Lebensanschauung“ für sich beizubringen pflegt. Nach dieser die bei weitem grösste Breite einnehmenden Schilderung und Widerlegung der avaritia kommt er auf sein Thema zurück, wirft noch einmal die Frage auf Cui— sequentis?, antwortet nun direct Sic festinanti u. s. w., und bricht dann, als könne er noch vieles darüber sagen— im Grunde hat er Alles gesagt— ab, um nicht in Moralgeschwätz zu verfallen.
Das Gedicht ist allerdings gegen die avaritia gerichtet, greift diese aber so an, dass es, um ihr beizukommen, von einem Erfahrungssatz über die gewöhnliche Unzufrieden- heit der Menschen und dem dabei vorkommenden Widerspruche, dass sie doch ihren Beruf nicht mit einem andern vertauschen würden, ausgeht, um dann nicht diesen Fehler, sondern dessen allgemeine Ursache, die Habgier, zu behandeln.
Für diese Auffassung des Zusammenhanges scheint mir das Oui in der directen Frage bei weitem am klarsten und besten zu sein. Den Indicativ deshalb(6mal) zu setzen, ist nicht nöthig: Warum(also) möchte(sollte) wohl u. s. w. Dieses Cul nun kann freilich aus Versehen durch ein von einem späteren Abschreiber missverstan- denes ursprünglich über oder neben die Zeile geschriebenes Citat von v. 1 Qui fit—, in die älteste Handschrift an dieser Stelle gekommen sein, dennoch ist es jedenfalls die beste Tradition, und es scheint, als ob Nannius seine Conjectur cur eben diesem qui entlehnte. Aus dem Scholion des Porphyrio(das Lemma entscheidet nicht) geht nicht mit Sicherheit hervor, dass er die admiratio pronuntiantis auf die Satzform nemone... se probet bezogen habe, da ja auch der Fragsatz mit dem Conjunctiv(Qui.. Se Probet?) eine Art admiratio enthält. Sonderbar ist übrigens die Auffassung des ut avwarus bei demselben Scholiasten; er versteht:„wie doch der Geizige thut, denn dieser ist der Einzige, der mit seinem Berufe, dem Geize, zufrieden ist“— während diese Einschie- bung vielmehr umgekehrt gemeint ist:„wie auch der„Geizige thut, nämlich immer unzufrieden ist.“
Nimmt man unter Weglassung von qui mit vielen Auslegern ut(dass) nemo ava- rus(wenn er nämlich geizig ist, hypothetisch, wie sanus).. se probet als Inhaltssatz zu illuc, was sprachlich durchaus zulässig ist: so gibt diese Auffassung, aber in schieferer und matterer Weise des Ausdrucks, denselben Sinn. Dann ist Sic festinanti u. s. w. nur Ausführung des vorigen, nicht Antwort. Die Scholiasten haben ut nicht für dass, sondern für wie genommen.
Hält man die Vulgate nemone ut fest, so würde ich ne durch nonne erklären und


