Aufsatz 
Zur Geschichte des Gymnasiums : 1. Beitrag
Entstehung
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verlor, so ward sie dagegen auch unfähige und schlechte schnell wieder los, und war vor dem Mattwerden und Erlahmen gänzlich bewahrt. Erst 1550 trat mit Joh. Cnipius ²⁶) ein bejahrterer Mann an die Spitze; von da an verliert sich etwas von dem ideal-huma- nistischen Charakter der Anstalt und wir sehen sie in den bisweilen recht schmutzigen Strudel theologischer und andrer Zänkereien hineingezogen.

Dass nun die vorhinerwähnte Reduction wirklich stattgefunden hat, ist mir unzweifelhaft. Obwohl der Rathsbeschluss nicht ausdrücklich sagt, dass die unterste Classe der Barfüsserschule in die Stifts- oder Pfaffen-Schulen verwiesen worden sei, können wir doch aus dem sie betreffenden Zusatz schliessen, dass auch dieser Theil von Micyll's Vorschlag zur Ausführung gekommen ist. Dass das Sparsystem noch länger gedauert hat, beweist auch der Rathsbeschluss des folgenden Jahres, vom 6. Nov. 1548, aus welchem hervorgeht, dass einer der Collaboranten eine lange Zeit gedient hatte, ohne dass eineBestallung mit ihm gemacht war, und dass auch damals derselbe nur auf ein Jahr oder ein halbes angenommen wurde. Meister Theobaldus mag sich bei diesem Zustande der Dinge nicht zum besten befunden haben; wir erfahren nicht viel Anderes von ihm ²ꝛĩ) als dass er im Jabre 1549 mit seinen beiden(ersten) Collaboranten Monzer und Acontius einen Plan zur Reform der Schule einreichte, ²⁸) und dass er gegen Ende

²s) Nach G. Ed. Steitz(a. a. O. 215, Anm. 2 u. f.) fällt seine Geburt vor 1510.

²⁷) Am 21. Febr. 1549 wird diedurch Oswalt gestellte Translation Philippi Melanchthonis jüngsten Schreibens bei Rath verlesen; am 13. Juni und 5. Nov. desselben Jahres werden seine gutachtlichen Berichte über die Fähigkeiten und Leistungen von zwei Stipendiaten des Raths erwähnt. Man sieht, er hatte auch solche Geschäfte, wie sie in Nesen's und Micyll's Contract ausdrücklich vorgeschrieben waren; vergl. Cl. Osterpr. 1861, p. 6. Uebrigens ist es merkwürdig, dass Melanchthon ein halbes Jahr nach Micylls Abgang seinen und Eoban Hesses berühmten Freund, den gelehrten Humanisten, Mathematiker und Mediciner Jacobus Milichius als Stadtarzt nach Frankfurt zu bringen gesucht hat: R.-P. vom 13. Sept. 1547.D. Jacobus Milichius. Relatum: Phil. Melanchthon hab Micheln Meienburger von Nordhausen geschrieben, Milichius hat ein Gefallen alhie zu kommen und Stadtarzt zu werden; B.-B.:Als eines fürgeschlagenen Arzt halben von Wittenberg anbracht worden, soll man beruhen lassen, und nach dem von Worms trachten. Vgl. Melanchthons Brief an seinen Schwiegersohn M. Meienburger d. J. vom 31. Aug.(Corp. Reff. VI, p. 652; cf. ib. p. 615, 643, 681.). Sollen wir(obwohl jene Briefe keine Andeutungen der Art enthalten) hieraus schliessen, dass Melanchthon jenem berühmten Gelehrten eine Wirksamkeit in Frankfurt nicht nur als Arzt sondern auch als Humanisten zudachte? Hatte der Rath indem von Worms bereits damals den Joh. Cnipius im Auge? Soviel steht fest, dass Milichius nicht kam(er starb 58 Jahre alt als Professor der Medicin in Wittenberg 10. Nov. 1559; cf. Cl. Mic. 166), und wenn Lersner I, 2, 93 unter den Gymnasiallehrern auch1532... Milichius aufführt, und das mit Lersner ungefähr gleichzeitige Ms. Uffenb. 16, p. 86 den Jac. Milichius unter den Rectores Gymnasii aufführt(ohne nähere Angaben), so scheint dies auf einer Verwechselung mit Micyllus zu beruhen.

²⁸) Lersner I, 2, 90. 93.1549, als dazumal Herr Justinian von Holtzhausen älterer Bürgermeister gewesen wie auch Scholarcha, und mit ihm Herr Johann von Glauburg, geben diese drei ein schrift-