Aufsatz 
Zur Geschichte des Gymnasiums : 1. Beitrag
Entstehung
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ebenso mag es nachher mit dem 4. Collaboranten gehalten sein, bis, von 1567 an, auch für diesen ein festes Gehalt auszumitteln versucht wurde. ²⁰) Das Ergebniss hieraus ist, dass unser Gymnasium aller Wahrscheinlichkeit nach schon vor der Mitte des 16. Jahrhunderts fünf vollständige Classen hatte, und dass es sich in diesem Umfang, mit einer kurzen Unterbrechung von höchstens 8 Jahren, bis zum Anfange des 17. Jahrh. erhielt, wo zuerst vorübergehend(1603 ff.) und dann definitiv(1616) eine Sexta und bald darauf(1627) auch eine Septima hinzugefügt wurden.

Uebrigens wird der Name Gymnasium erst von dieser letzten grössten Erweiterung an auch im Deutschen üblich; ²¹) ich finde ihn da zuerst gebraucht in dem Schreiben des Landgrafen Philipp von Hessen-Darmstadt an den Frankfurter Rath vom 23. Dec. 1626, durch welches er den Rector Hirtzwig zu seinem Hofprediger beruft, so wie in der Antwort des Raths vom 2. Jan. 1627. ²²) Früher begegnet man diesem Ausdrucke nur im Lateinischen, z. B. um 1579. Die älteste volksthümliche Bezeichnung war(abgesehen von derJunkerschule)des Raths Schule im Gegeusatz zu den drei alten Stifts- schulen; etwas später, seit der Verlegung, heisst sie gewöhnlichSchule zu den Barfüssern, seltnerLateinische Schule im Gegensatz zu denTeutschen Schulen, auch bisweilenSchola litterariat. Der NameRector kommt einzeln schon bei Sylvius und Cnipius vor(gewiss führte ihn auch Micyllus im Lateinischen), wird aber erst von 1562 an häufiger; noch später sind die Ausdrücke Collegae und Prae- ceptores für die früheren: Collaboranten, Unterschulmeister, Substituten, Hypodidascali.

Zu den Letzteren gehörte unter Micyllus vermuthlich Adam Lonicerus, ²³) sicher aber Theobald Oswalt und vielleicht auch Johannes Acontius und Zacharias Monzer. ²⁴) Alle Lehrer waren bei ihrer Anstellung junge Leute; ²⁵) wie natürlich also, dass ihr Werk in allen Stücken das Gepräge der lebendigsten Frische trägt. Sie kamen und giengen, und wenn die Schule dabei manchen ausgezeichneten Mann zu früh wieder

²⁰) Für Florus versuchte der Rath die Besoldung auf das Weissfrauenkloster anzuweisen; die Mutter sträubte sich dagegen und setzte zuletzt ihre Weigerung durch. Da Florus u. a. Lehrer bei Lersner ganz übergangen sind, kam man zu der falschen Vorstellung von nur 3 Collaboranten.

²¹) Insofern also ist die Bemerkung Albrechts(Herbstpr. 1747 ad Ex. 6, Anm. 6.),dass der Rector Hirtzwig im Jahre 1615 den Namen Gymnasium für die Lateinische Schule in Frankf. zuerst gebraucht habe ungefähr richtig. S. auch Cl. Mic. 49.

²¹) Schulacten des Stadtarchivs I, 82. 88.

²2) Cl. Mic. 152.

*) Letzterer war jedenfalls auch Micyllus Schüler gewesen: vergl. Lersner II, 5, 213(Appendix); Cl. Mic. 157. 179. f.

²⁰) Bei dem Anutritte des Rectorats war Nesenus 26, Carinus höchstens 23, Micyllus 21 Jahr alt. Ueber die Lebensumstände der beiden ersteren ist besonders die neuste Schrift von G. Ed. Steit⸗

zu vergleichen: Reformatorische Persönlichkeiten p. 162 und 166.(Archiv f. Fr. Gesch. und K. Neue Folge, Band IV. 1868.)