Aufsatz 
Zur Geschichte des Gymnasiums : 1. Beitrag
Entstehung
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der keine Bestallung vom Rath hatte und über den wir nur sehr ungewisse Kunde besitzen. Auch aus dem ersten Rectorat des Micyllus liegen über die Schule selbst nur dürftige Notizen vor. Sie befand sich wahrscheinlich von Anfang an nicht, wie man früher meinte, in dem Hauszum Kolben(Ende der Buch- und Münzgasse, Münzg. l, Buchg. 7), sondern in demzum Goldstein(der südlichen Begrenzung des Gr. Korn- markts, Paulsgasse 5, Buchg. 18),) und wurde nur zeitweilig 1529 31 in das aufge- hobene Barfüsserkloster verlegt. 5*) Von ihrer inneren Einrichtung wissen wir nichts; dass sie mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, schliessen wir aus den Klagen des Micyllus über ihren Verfall und aus seinem Weggehn nach Heidelberg; es muss, bis etwa reichlichere Quellen sich eröffnen, dahin gestellt pleiben, ob hierzu persönliche Anfeindung und Verläumdung des Rectors(man hat auf Moser als Urheber gemuth- masst) oder das allzuhohe Schulgeld Veranlassung gab; soviel scheint aus der ganzen Natur des Mannes zu erhellen, dass er einerseits der reformatorischen Partei und insonderheit den Prädicanten nicht eifrig und entschieden genug sein mochte, andrer- seits zu reizbar und phantasiereich war, um nicht vielleicht persönlichen Feinden zuzu- schreiben was in den Umständen lag. Grössere Klarheit verbreitet über den Zustand der Schule erst der vermuthlich ins Jahr 1537 fallende wieder ans Licht hervorgezogene Lehrplan des Micyllus,) der auf fünf Classen berechnet ist. Dieser Plan sowie die Heruntersetzung des Schulgeldes auf 1 fl. p. a.(1538) und die bald darauf(1540) beschlossene und nach einem umfassenden Umbau(1542) erfolgte definitive Verlegung der Anstalt in das Barfüsserkloster lassen auf einen grossen Zuwachs derselben schliessen. Wir können demnach dies zweite Rectorat des Micyllus als die erste Blüthezeit des Gymnasiums ansehen und finden dies durch den grossen Ruf, den sie hinterliess, überall bestätigt. Hierzu trugen, wie zu den Anfängen Claus Stalburg und Hamann von Holtæhausen, ganz besonders der Sohn des Letzteren Justinian, ferner Joh. von Glauburg und einer der Schüler des Micyllus, der ausgezeichnete Rechtsgelehrte und Staatsmann Johann Fichard(Syndicus seit 14. Sept. 1538) bei. Dennoch sind auch hier einige der wichtigsten Puncte in Dunkel gehüllt. Fragen wir nach den Mitarbeitern des Micyllus, so erfahren wir auch aus dieser Zeit kaum einen einzigen Namen; ja wir wissen nicht einmal, ob die Schule drei oder vier oder fünf Classen gehabt hat. ¹⁰) Denn da der obenerwähnte Lehrplan als Descriptio scholae hic instituendae bezeichnet ist, so bleibt es ungewiss, wie weit die darin angegebenen fünf Classen wirklich zur Ausführung gekommen sind.

²) Ed. Steitz, die Melanchthons- und Luthers-Herberge zu Fr.(1861), p. 30 ff. ³) Cl. Mic. 82.

) Act. Eccl. III, 711 ff., abgedruckt in Cl. Mic. 168 ff.; erörtert ebend. 142 ff. 1) Cl. Mic. 151 f.