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hatten. Diese letztere Einrichtung scheint den Namen„Junkerschule“, schola Patriciorum, gehabt zu haben und später mit der ersteren verwechselt worden zu sein. ⁴) Doch waren auch von dieser durch das für die damalige Zeit hohe Schulgeld(2 fl. p. a.) die Aermeren ausgeschlossen, und sie wurde vermuthlich zu Anfang fast allein von Söhnen der patricischen Familien Stalburg, Holtzhausen, Glauburg u. a. benutzt. Luther besuchte den Nesenus 1521 auf der Hinreise nach Worms und auf der Rückreise, wohnte seinem Unterricht bei und segnete mehrere der jungen Patricier. Aber Nesenus, der sich mit glühendem Eifer der von Wittenberg ausgehenden reformatorischen Bewegung ange- schlossen hatte, hielt seinen Frankfurter Contract nicht aus, sondern begab sich, um weiter zu studiren, im Frühjahr 1523 nach dem Sitze der neuen Lehre, wo er im folgenden Jahre(6. Juli) in der Elbe ertrank, beklagt durch das schöne Wort Luthers: „O, dass ich Todte erwecken könnte; dann solltest Du, mein Nesenus, der erste sein!“ Inzwischen war auf Nesen’'s Empfehlung einer seiner früheren Schüler, Ludwig Carinus, ein junger Schweizer aus vornehmer Familie, an seine Stelle getreten; aber obwohl der Rath am 4. Juli 1523 beschloss, denselben auf drei Jahre„gleich Meister Wilhelmen“ anzunehmen, finden wir doch, dass schon am 14. Sept. desselben Jahres Jacob Micyllus sich zu eben diesem Dienst und auf die nemliche Zeit dem Rath gegenüber verpflichtet; hiermit wiederum scheint es nicht zu stimmen, dass Micyllus erst ein Jahr später (27. Oct. 1524) in Frankfurt ankommt, nachdem Carinus einige Tage früher abgereist ist. Die Lösung dieses Widerspruchs ist wohl darin zu suchen, dass der Contract mit Carinus überhaupt gar nicht zu Stande kam, dass er sich aber willig finden liess, nicht nur das letzte halbe Jahr für Nesenus sondern auch das erste ganze Jahr für Micyllus als Stell- vertreter zu dienen, da letzterer aus mancherlei Gründen nicht früher sein Amt antreten konnte. Carinus ging in sein Vaterland zurück, verfeindete sich um Nesen's willen mit Erasmus und starb als praktischer Arzt zu Basel 17. Jan. 1569. ⁵)
Die Wirksamkeit des Micyllus(eig. Moltzer aus Strassburg), dieses bedeutenden und liebenswürdigen Gelehrten, Dichters und Schulmannes, welcher als der eigentliche Gründer und erste Ordner des Gymnasiums betrachtet werden kann, ist in so sorg- fültiger und anziehender Weise von meinem verehrten Herrn Vorgänger erforscht und beschrieben worden, dass ich nur wenig hinzuzufügen habe. Er war zweimal(Oct. 1524 bis Febr. 1533 und Sept. 1537 bis April 1547) Rector der Lateinischen Schule zu Frankfurt a. M., und zweimal(1533— 37 und von 1547 bis zu seinem Tode 28. Jan. 1558) Professor der griechischen Sprache in Heidelberg; zwischen jene beiden Rectorate fällt die provisorische Verwaltung der Schule durch einen gewissen[Hohannes] Moserus, ⁵)
¹) Osterpr. 1861, 6 ff. ⁵) Cl. Mic. 43 ff., berichtigt durch Osterpr. 1861, besonders 13—18. ⁶) Ebend. Mic. 83 ff. 96 und Osterpr. 2.


