Aufsatz 
Zu Sidonius' Carmina / von Paul Mohr
Entstehung
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Wegen des kurz vorhergehenden currit würde ich vorziehen, recursu in recussu zu verwandeln. Carm. XXII, 176 schreibt Baret: Attica Triptolemo civi condehat Eleusis,

ohne zu bemerken, auf welche Autorität hin er die seltene Form Eleusis aufgenommen hat. B hat Eleusin und daran ist zunächst festzuhalten. Neue, Formenlehre der lateinischen Sprache I, p. 154, sagt zu diesem Worte:bei den Schriftstellern ist wohl Eleusin in ausschliesslichem Gebrauch und führt eine grosse Zahl von Beispielen an*), darunter auch Claudian XXXIII, 11, wo jedoch jetzt von Jeep nach zwei Handschriften EWleusis geschrieben ist. Vgl. auch Heinsius zu Ovid. Heroid. IV, 67. Derselbe will für condebat in unserem Verse credebat gelesen wissen, ein Vorschlag, der durchaus zurückzuweisen ist.

Carm. XXII, 179 sqq. In dieser, wie ep. II, 2, namentlich dem Plinius ep. II, 17 und V, 6 nachgeahmten Beschreibung des Palastes des Pontius Leontius, die überhaupt an Klarheit und Anschaulichkeit viel zu wünschen übrig lässt, macht besonders v. 181 Schwierigkeiten. Von v. 150 an hat Sidonius einen Porticus geschildert, der, für den Winteraufenthalt bestimmt, mit der Front nach Süden gerichtet ist, während die beiden zurückgebogenen Flügel, der eine nach Westen, der andere nach Osten sehen. Cf. Plin. ep. II, 17, 4 deinde porticus in D litterae similitudinem circumactae. Die porticus aestiva wird v. 179 kurz erwähnt mit den Worten:

porticus ad gelidos patet hine aestiva triones.

An dieselbe schliessen sich thermae hiemales an, von denen es v. 180 sdq. folgender- massen heisst:

hinc calor innocuus thermis hiemalibus exit atque locum tempus molit; quippe illa rigori pars est apta magis; nam quod fugit ora Leonis, inde Lycaoniae rabiem male sustinet Ursae.

Dass apta hier von Grégoire und Collombet richtig aufgefasst ist, indem es wieder- gegeben wird mit exposée au froid, beweist der folgende, mit nam eingeleitete Satz. Aber was heisst locum tempus mollit? Wie passt dazu das begründende, erklärende quippe? Ich schreibe: locum in tempus mollit. Die Thermen also sind von einem Röhrensystem durchzogen(hupocausis), das in tempus, d. h. wenn die Jahreszeit es erfordert, ut ratio arigit(Plin. ep. II, 17, 23) die nöthige Wärme verbreitet. Cf. Plin. ep. V, 6, 24 sd.:(dem cubiculum hieme tepidissimum, quia plurimo sole perfunditur). Cohaeret hpocauston, et si dies nubilus, immisso vapore solis vicem supplet.

Carm. XXXIII, 90 sqq. Die Tapferkeit der Narbonenser bezeugen ihre vom Widder zertrümmerten Mauern, wie man den muthigen Krieger an den ehrenvollen Narben erkennt.

Laus est amplior anplior cicatrix.

Es folgen Beispiele und den Schluss bilden Sentenzen:

laus est ardua dura sustinere; ignavis, timidis et improbatis multum fingitur otiosa virtus.

So schreibt Baret im Anschluss an Sirmond, ohne ein Wort hinzuzufügen, während Letzerer Horat. carm. IV, 9, 29 vergleicht: paulum sepultae distat inertiae celata virtus. Derselbe

*) Ebendort merkt Neue den Accusativ Eleusin nur als falsche Lesart aus Justin II, 6, 12 an. Dagegen steht diese Accusativform sicher für Sidon. carm. IX, 177 verendam Mleusin(auch B).