Aufsatz 
Zu Sidonius' Carmina / von Paul Mohr
Entstehung
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welche Weise, wozu dann te principe nähere Bestimmung wäre, oder quod, das sich z. B. auch nach nescire ep. VIII, 14 findet.

Carm. VII, 527. vel longa Pyrenei

quam iuga ab Hispano seclusam iure coercent.

Pyrenei schreibt Baret ohne weitere Bemerkung. So E perinei, dagegen B. perimes, aus dessen Spuren die richtige Lesart PDyrenes herzustellen ist. Cf. Claudian. VIII, 107 Appenninumque nivalem Pyrenes sociate iugis; Sil. III, 338 iuga Pyrenes(dieselbe Form auch I, 190; XVI, 246). Die erste Silbe ist auch bei Tibull I, 7, 9 kurz gebraucht.

Carm. VII, 580. Jam prius induerat solas de principe curas..

Statt iam(so B und alle Ausgaben) ist nam zu schreiben. Der Zusammenhang ist: Trotz seines Widerstrebens muss Avitus nun auch die Insignien der Herrschaft annehmen; denn bis dahin hatte er nur die Sorgen und Lasten der Regierung getragen. Bestätigt wird diese Vermuthung durch E, indem² mit einem Striche darüber, also non überliefert ist.

Carm. IX, 251. Ipsum nee fleat ille plus duellum, quod post Cimbrica turbidus tropaea et vinctum Nasamonium Jugurtham, dum quaerit Mithridaticum triumphum, Arpinas voluit movere Syllae.

Das Beiwort turbidus, das dem Marius hier beigelegt wird, entspricht der Situation nicht recht. Er ist stolz, übermüthig geworden durch seine Erfolge. Danach empfiehlt es sich, viel- mehr turgidus zu lesen. Vgl. carm. IX, 335 sed nec turgida contumeliosi lectoris nimium verebor ora; Claudian XXII, 158 alto turgidus alloqueris fastu.

Carm. XI, 11 habe ich im Programm von Sondershausen 1877 p. 6 das auf keine Weise zu erklärende miroque relatu lympha bibit solem in mirumque relatu verbessert. Dieselbe Verbindung eines Epiphonems mit que findet sich bei Ovid, Metamorph. IX, 167 sdgq.: gua trahitur, trahit illa eutem, foedumque relatu, aut haeret membris frustra temptata revelli aut laceros artus. Carm. XIII, 3 ist überall überliefert: et licet in nuda torvus confregerit ulna.

Der Gedankengang ist folgender: Hercules soll, indem er die Erde von Ungeheuern be- freite, sich den Himmel verdient haben. Aber obwohl er zahlreiche, gewaltige Thaten vollführt hat(es folgt hier eine Aufzählung derselben in zehn Versen), so ist doch keine ruhmwürdiger als die Besiegung des Geryones. Aus diesem Zusammenhange geht hervor, dass in v. 3 nicht et zu lesen ist, sondern eine Adversativpartikel, und da im vorhergehenden Verse polos das Schlusswort bildet, so schreibe ich:

secl licet in nuda.

Carm. XIII, 15 sd. Haec quondam Alcides: at tu Tirynthius alter,

sed princeps magni maæxima cura dei.

Der erste dieser Verse ist fast wörtlich dem Claudian nachgeschrieben, carm. XXXIV, 49 Thracius haec vates. Sed tu Tirgnthius alter. Im zweiten ist, wie die Interpunction auch in der neuesten Ausgabe beweist, das Wortspiel nicht erfasst worden, das in after und princeps liegt.