Aufsatz 
Zu Sidonius' Carmina / von Paul Mohr
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

halare catenas. Auffallend und wohl nach Sidonius zu ändern ist bei Ennodius, der im Uebrigen in dem oben erwähnten Gedicht diese ganze Stelle mit unbedeutenden Abweichungen aus- schreibt: rosas.

Carm. II, 475. Dorica te tellus et Achaica iura tremiscunt.

Zwar findet sich carm. VII, 429 vel longa Pyrenes quam iuga ab Hispano seclusam iure coercent. Aber nach carm. II, 79 tremuerunt Medica rura; ib. 272 Dacica rura; VII, 548 Belgica rura schreibe ich auch hier, dem fellus entsprechend, Achaica rura.

Carm. IV, 8. Vergil hat den Augustus in seinen Gedichten verherrlicht, weil er durch seine Gnade wieder in den Besitz seines ererbten Gütchens gelangt ist.

Caelum pro terris rustica Musa dedit. neec fuit inferius Phoebeia dona referre: fecerat hie dominum, fecit et ille deum. Im letzten Verse ist des pathetischen Gegensatzes halber zu lesen: fecit at ille deum. Carm. V, 1617. Laetitiam censura manet terrorque pudore erescit, et invita superat virtute venustas.

Auch hier haben wir wieder eine ganz in der wortreichen Art des Sidonius ausgeführte Nachahmung des Claudian vor uns, carm. I, 91 sqd. miscetur decori virtus pulcherque severo armatur terrore pudor. Einige Aehnlichkeit zeigt auch der Gedanke Sid. carm. VII, 196 sq. virtusque repugnans proderet invitum per fortia facta pudorem. Die knappe Gegenüberstellung der Contraste an unserer Stelle erschwert ihr Verständniss, zumal die Situation selbst wenig Anhalt bietet. Jedenfalls liegt kein Grund vor, wie es die französischen Uebersetzer thun, die Göttin Roma als trauernd und niedergeschlagen anzusehen. Ich fasse die in mehrfacher Hinsicht dunkeln Verse, durchaus abweichend von jenen, so auf: Den der Göttin eigenen Frohsinn, ihre Anmuth(so findet sich laetitia z. B. bei Stat. Theb. VI, 571 membrorumdue omnis aperta est laetitia) erwartet strenger Ernst, um sie, sobald sie sich geltend zu machen sucht, zurückzudrängen, und die gewaltige, Ehrfurcht gebietende Wirkung wird noch erhöht durch den Ausdruck der Züchtigkeit; aber dennoch überwiegt aller Erhabenheit zum Trotz das Liebliche ihrer Erscheinung. Ist diese Erklärung zutreffend und sie steht wenigstens nirgends in Widerspruch mit der Rolle, die in diesem Gedichte der Roma zugetheilt ist so ist auch hier wieder et in at zu verbessern.

Carm. V, 26. Auf dem Schilde der Göttin ist neben den Martigenae, Romulus und Remus, und der sie beschützenden Wölfin der Flussgott Tiber dargestellt, wie er in kühler

Grotte ruht: hic scabri fusus sub pumice tofi-

proflabat madidum per guttura glauca soporem. PumerBimstein und fofusTuffstein finden sich namentlich bei Ovid nicht selten mit einander verbunden, so Fast. II, 315 antra subit tofis laqueata et pumice vivo; Metam. III, 159 nam pumice vivo et levibus tofis nativum duxerat arcum; ib. VIII, 561 pumice multicavo nec levibus atria tofis structa subit. Auch das Beiwort scaber hat Ovid Heroid. XV, 141 antra scabro pendentia tofo und Vergil Georg. II, 214(bei Claudian kommt kofus überhaupt nicht vor). Dagegen dem Sidonius ganz eigenthümlich, wie es scheint, ist die Verbindung pumer tofi. Wenn das Lexicon von Klotz für pumer die BedeutungSteingeröll, Steinbruch anführt, so liegt nirgends in den dafür beigebrachten Stellen ein zwingender Grund vor, eine solche aufzustellen. Es bleibt also nichts Anderes übrig, als entweder anzunehmen, dass zu Sidonius' Zeiten die ursprüngliche Bedeutung